Archiv für Juli 2010

Der Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland“ e.V.

Folgend möchten wir euch einen Mitgliedsverein der Vereinigung der Verfolgen des Naziregimes – Bund der Antifaschist_Innen vorstellen: Den DRAFD e.V.:

Im Verein DRAFD haben sich Menschen zusammengeschlossen, die ehemals gemeinsam in der Résistance, in der Widerstandsbewegungen in den von der deutschen Wehrmacht okkupierten Ländern, den alliierten Streitkräften und der Bewegung „Freies Deutschland“ kämpften.
Zusätzlich vertreten im Verein sind Mitglieder, die sich mit Vorgenannten zusammengefunden haben, um die wertvollen Erfahrungen der Kämpfer gegen Hitlerfaschismus, Krieg und imperalistischer Unterdrückung am Leben zu erhalten und kommenden Generationen zur Mahnung und Gedenken aufrecht zu erhalten.
Der Vorstand der DRAFD gibt alle paar Monate die DRAFD-Informationen heraus, die über das Verbandsleben berichten. Die Internetseite des Verbandes – auf der ihr auch das Archiv der DRAFD-Informationen findet – findet ihr unter www.drafd.de.

Antifa-Demo: Enough is Enough – Wider den Anklamer Zuständen!

Anklam, das „Tor zur Sonneninsel Usedom“. Eine Kleinstadt in Ostvorpommern, die ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat. Von den einst 20.000 Einwohner_innen sind 7.000 inzwischen weggezogen. Der Status als Kreisstadt geht ebenfalls in Bälde Flöten. Dieser Trend ist repräsentativ für viele Orte in der Region und eigentlich gäbe es keinen Grund sich weiter mit der Sache zu beschäftigen, wären da nicht die Nazis.
Die äußerst vitale Neonaziszene der Stadt ist das prägende Merkmal, für das Anklam zu Recht bundesweite Bekanntheit genießt. An ihr lässt sich nicht nur der derzeitige Zustand der Neonazi-Bewegung, sondern auch noch sämtliche Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre exemplarisch ablesen – und das stellvertretend für den gesamten Landkreis.
Ein Landgasthof in Klein Bünzow, einem winzigen Vorort Anklams, manifestierte sich in den 90er Jahren zu einem überregionalen Treffpunkt der damaligen rechtsradikalen Skinheadszene und bot vielen Jugendlichen, genau die Wochenendabwechslung, nach der junge Nazis zu der Zeit verlangten. Rechtsrockkonzerte, Liederabende und Kameradschaftstreffen – regelmäßig wiederkehrende Kulminationspunkte einer rechten Lebenswelt, die auf einem Männlichkeitskult, auf Ausgrenzung und die Diskriminierung anderer aufbaut.
Diese frühen Jahre der Szene in Anklam und Umgebung schufen die Basis für die beispiellose Verankerung der Naziszene im Alltagsleben, für die Anklam auch heute noch berüchtigt ist. In Anklam existiert mit dem New Dawn nicht zufällig der dienstälteste Naziladen des gesamten Bundeslandes. Hier herrscht eine obskure Mischung aus blinder gesellschaftlicher Akzeptanz und leichtfertiger bürgerlicher Toleranz, die es über etliche Jahre hinweg ermöglichte so einen Laden zu betreiben und die braunen Propaganda-Produkte nicht nur an die jungen Glatzen von damals, sondern auch an die erwachsen gewordenen überzeugten Neonazis von heute zu verkaufen. Ein idealer Nährboden für die braunen Jungs & Mädels, in denen es ihnen leicht fällt sich zu organisieren, ob im Kameradschaftsbund Anklam (KBA) oder in der NPD – wer sich hier in rechtsradikalen Gruppen wie diesen engagiert, braucht keine Kritik zu fürchten wie andernorts.
So ist es auch nicht verwunderlich das Anklam zu den Trendsettern in der Szene zählt. Während das Gros der Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern erst zur vergangenen Kommunalwahl im letzten Jahr den Rechtsruck vollzog und ihre NPD-Funktionäre in die Gemeinde- und Stadtvertretungen wählte, so geschah dies in Anklam alles bereits eine Legislaturperiode früher. 2004, als auf Landesebene noch kaum jemand das gruselige Szenario einer möglichen NPD-Fraktion im Landtag für realistisch hielt, liess sich heute Landtagsabgeordnete Michael Andrejewski bereits in die Anklamer Stadtvertretung und den Kreistag von Ostvorpommern wählen. Der Wahlerfolg von damals war bereits der erste Ertrag einer kontinuierlichen Aufbauarbeit, die hier seit 20 Jahren betrieben wird und die solch kleine Gemeinden wie Anklam erst attraktiv für bundesweit agierende Neonazi-Kader wie Andrejewski machen.
Für den 31. Juli planten die Nazi-Aktivist_innen wiederum ein Stück braune Idylle zu inszenieren. Die NPD wollte mit einem Kinderfest, wie es in Stralsund oder Doberan schon häufiger stattfand, die Erlebniswelt für die Familien ihrer Aktivist_innen, aber auch für die ihrer Sympathisant_innen und etwaigen Unentschlossenen, um ein Stück erweitern. Doch erfreulicher Weise trat hier eine Irritation ein, mit der die Nazis von Anklam schon lange nicht mehr gerechnet hätten. Ihr Event wurde verboten.
Nun steht der Stadt das bevor, was andere Städte mit erniedrigender Regelmäßigkeit über sich ergehen lassen müssen. Ein Naziaufmarsch. Angekündigt als unverhohlene Drohung, wenn schon nicht ihr „Kinderfest“ stattfinden dürfe, dann solle der Rest der Stadt schon sehen, wie sie mit dem braunen Spuk fertig werden. Für uns ist das ein willkommener Anlass Anklam wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Wir wollen darauf aufmerksam machen. Diese Stadt hat kein Problem mit Nazis – aber wir. Wir wollen zeigen, das schweigende Provinzen wie Ostvorpommern nicht nur zu einem bewährten Rückzugsraum für Neonazis geworden sind, sondern auch sämtlichen Vorstellungen eines gut eingerichteten Gemeinwesens widersprechen! Die Verhältnisse in Anklam sind beschämend und der Trend, die schlechten Schlagzeilen in der Presse und die bundesweite Aufmerksamkeit für Anklams Naziproblem einfach auszusitzen, darf nicht unwidersprochen bleiben.

Demonstriert mit uns am 31. Juli in Anklam und zeigt den Nazis, das sie auch hier in der finstersten Provinz keine sichere Homezone haben! Enough is Enough – Wider den Anklamer Zuständen!

Gedenken an Hans Beimler in Rostock

Hans Beimler wurde am 2.Juli 1895 in Wadlthum in der Oberpfalz geboren.
Er erlernte das Schlosserhandwerk und trat 1913 in München der Metallarbeitergewerkschaft bei. Er wird zur Kriegsmarine eingezogen. Die Schrecken des Krieges werden für ihn zum Auslöser des Widerstandes. In Cuxhafen wird er Mitglied des Arbeiter-und Soldatenrates, des Spartakusbundes und der KPD. Er nimmt an den Kämpfen zur Erhaltung der Münchener Räterepublik teil und wird in den Bayerischen Landtag und in den Deutschen Reichstag gewählt. Im April 1933 fällt er den Nazis in die Hände und kommt in das KZ Dachau. Er wird auf das Schwerste misshandelt und entschließt sich zur Flucht. Die gelingt in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai mit Hilfe eines Pfarrers und eines Polizisten. Sie verstecken und verpflegen ihn und ermöglichen ihm die Flucht ins Ausland. Alle Zeitungen berichten über seine Flucht. Hinweise zur Ergreifung des Entflohenen werden belohnt, heißt es darin. Hans Beimler schreibt im Ausland sein Buch „Im Mörderlager Dachau-vier Wochen in den Händen der braunen Banditen“. Das Buch erscheint in deutscher, englischer und russischer Sprache. Die Welt erfährt das erste Mal die Wahrheit über das KZ Dachau.

Im Sommer 1936 wählen die Spanier in demokratischer Abstimmung eine Volksfrontregierung. Der faschistische General Franco putscht dagegen. Das spanische Volk erhebt sich zur Verteidigung seiner Republik, doch Francos spanisch-marokkanische Legionäre, unterstützt von Hitler und Mussolini, sind überlegen. Sie besetzen große Teile des Landes und rücken auf Madrid vor. Spaniens Regierung ermöglicht mit einem Erlass am 22.Oktober 1936 die Bildung der Internationalen Brigaden. Aus 50 Ländern aller Kontinente eilen 45.000 Freiwillige nach Spanien, darunter Ernest Hemingway, Egon Erwin Kisch, Joris Ivens, Erich Weinert, Ernst Busch und Ludwig Renn und 3000 deutsche Antifaschisten. Zu den ersten der 3000 deutschen Freiwilligen, die in Spanien eintreffen, gehört auch Hans Beimler. Er ist maßgeblich am Aufbau der „Centuria Thälmann“ beteiligt.

Aber es kommen nicht nur Antifaschisten nach Spanien. Die berüchtigte deutsche Legion Condor mit ihren modernen Flugzeugen, gebaut in den Rostocker Heinkelwerken, und ihren Bomben ist dabei. Wahllos töten sie spanische Frauen, Kinder und Greise. Über 10.000 allein bei dem Massaker auf Malaga. Picasso setzte den Ermordeten, besonders denen aus der Stadt Gernika für immer mit seinem berühmten Bild „Guernica“ ein Denkmal.

Am 1. Dezember 1936 besucht Hans Beimler das Thälmann-Bataillon. An einer offenen Stelle trifft ihn die Kugel eines feindlichen Scharfschützen, um 13.30 Uhr verstirbt er nahe dem Gehöft Palacete, nordwestlich von Madrid. Vom Tage der Aufbahrung bis zur Beisetzung nehmen über zwei Millionen Spanier Abschied von dem Toten. Als er von Madrid nach Barcelona überführt wird, säumen Hunderttausende die Straßen. Dolores Ibaruri, „La Passionaria“, hält die Trauerrede. Auf dem Bergfriedhof von Montjuich in Katalonien, hoch über dem Hafen von Barcelona, wird Hans Beimler beigesetzt. Dort befindet sich sein Grab noch heute.

Im Überseehafen von Rostock steht seit dem 7.Oktober 1973 ein Denkmal zur Erinnerung an Hans Beimler. Der Umschlagarbeiter Bodo Winkelmann gestaltete als Mitglied des von Jo Jastram geleiteten Plastikzirkels die Büste „Hans Beimler“. Die Jugendorganisation des Überseehafens trug einmal seinen Namen.

Am 19. Januar 1996 beschließt die Regierung des Königreiches Spanien, den überlebenden Angehörigen der internationalen Brigaden, wie 1939 bei ihrer Verabschiedung versprochen, die spanische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Dies geschieht in einem festlichen Akt am 4.November 1996. Unter den neuen Bürgern Spaniens befinden sich auch zwei Rostocker, der Seefahrer Helmut Sebastian, und der langjährige Leiter des Medizinischen Verkehrswesens des Überseehafens, Dr. Rolf Becker.

Hans Beimler ist unvergessen. Anna Seghers nahm ihn zum Vorbild für Georg Heisler, die Hauptfigur in ihrem weltberühmten Roman „Das siebte Kreuz“, dem die Flucht aus dem Konzentrationslager Westhofen gelang. Der gerettet wurde durch die eigene Kraft und die Hilfe von tapferen Antifaschisten. Sein Kreuz, das siebte, blieb leer.


DDR-Briefmarke zur Erinnerung an Hans Beimler.

Pressemitteilung der Berliner VVN-BdA e.V. – Kein öffentliches Interesse an der Bestrafung von Zivilcourage!

Verfahren gegen den Vorsitzenden der Berliner VVN-BdA Hans Coppi wurde in Königs Wusterhausen eingestellt.

Der Prozess am Montag, dem 28.06.2010 fand unter ungewöhnlichen Sicherheitsvorkehrungen statt. Selbst Kugelschreiber mussten die Besucher/innen abgeben. Der Prozess und die Besucher/innen wurden von zahlreichen Beamten in Uniform und Zivil beobachtet.

Nach einer etwa einstündigen Verhandlung waren sich Richterin, Staatsanwalt und Angeklagter einig.
Das Verfahren gegen Hans Coppi wegen Widerstand gegen Polizeibeamte und Beleidigung wurde gegen eine Spende in Höhe von 500,00 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung eingestellt.
Dass diese Einrichtung das Bündnis Gegen Rechts Königs Wusterhausen ist, dürfte die anwesenden fünf Neonazi-Prozessbeobachter in dem Maße geärgert haben, wie es die übrigen etwa 50 Besucher/innen gefreut hat.
„Durch die Auflage, die hier in einer Zahlung besteht, erfolgt keine Bestrafung, sondern im Gegenzug entfällt das öffentliche Interesse an einer weiteren Verfolgung, da eine gemeinnützige Einrichtung profitiert. Dem ‚gesellschaftlichen Frieden’ wird dadurch der Vorzug gegenüber einer Strafverfolgung gegeben, möglich ist dies bei weniger gravierenden Vorwürfen. Gericht und Staatsanwaltschaft gehen offenbar davon aus, dass zwar eine streitige Situation vorlag, diese aber keine Strafverfolgung erzwingt“, so Verteidiger Sven Richwin.
Von dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Hans Coppi habe bei der Räumung einer Blockade gegen einen Neonaziaufmarsch im Dezember 2009 in Königs Wusterhausen Polizeibeamte mit einer Fahne attackiert, blieb am Ende wenig übrig. Außer vielleicht der Frage des Staatsanwalts, was Herr Coppi denn mit einer Fahne auf der antifaschistischen Demonstration gewollt habe. Gesicht zeigen und auch demonstrieren, dass die VVN-BdA Blockaden gegen Neonazis für gerechtfertigt hält, war die Antwort Coppis.
Das Gesicht Hans Coppis hatte es dem anwesenden Polizeizeugen besonders angetan. Der Angeklagte habe frech und herausfordernd gegrinst. Der erwiderte, angesichts des Polizeieinsatzes, der damals den Neonazis den Weg freimachte, wäre den Anwesenden auch und ihm das Lachen vergangen und er könne deshalb die Aussage des Beamten nicht nachvollziehen.
Herr Coppi bedauerte, dass es nur zu einem Freispruch “zweiter Klasse“ gekommen sei, er glaube aber, das Geld sei für die Vorbereitung weiterer Proteste gegen Neonazis in Königs Wusterhausen gut angelegt.

Nachbemerkung: Die Berliner VVN-BdA nimmt in dieser Angelegenheit gern Spenden mit dem Verwendungszweck „Bündnis gegen rechts KW“ entgegen. Postbank Berlin, BLZ 100 100 10, Konto-Nr.: 315904105.
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Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
(Berliner VVN-BdA) e. V.
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Tel.: (0 30) 29 78 41 78
Fax: (0 30) 29 78 43 78
E-Mail: berlin@vvn-bda.org
http://berlin.vvn-bda.org




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