Archiv für Februar 2011

Neofaschisten am Ende? Dresden 2011 wieder geblockt!

Am 19.2.2011 wollten wieder tausende Neofaschist_Innen aus ganz Europa dem alliierten Bombenangriff vom 13. Februar 1945 auf die damalige Nazihochburg Dresden „gedenken“ und damit ihrer geschichtsrevisionistischen und menschenverachtenden Ideologie frönen. Doch daraus wurde wieder einmal nichts.

Bereits eine Woche zuvor, am eigentlichen Jahrestag der Bombadierung, wollten weniger als 1.500 Neofaschist_Innen durch Dresden marschieren und mussten dabei schon eine Schlappe hinnehmen.
Der eigentliche Großaufmarsch für dieses Jahr war für den 19. Februar geplant. Mehrere Veranstaltungen anzumelden war eine Konsequenz aus dem verhinderten Naziaufmarsch 2010. Doch auch dieses Wochenende wollten sich nicht einmal 3.000 Neofaschist_Innen in Dresden einfinden, zu groß waren die Enttäuschungen vom 13. Februar der letzten beiden Male.
Die Polizei sperrte in den frühen Morgenstunden viele Straßen mit „Hamburger Gittern“ ab und führte erste Personenkontrollen durch.
Bereits kurz nach 8Uhr morgens setzten sich tausende Antifaschisten zu Fuß in Richtung Dresdner Altstadt in Bewegung, nachdem ihr Buskonvoi von der Polizei auf der Autobahn gestoppt wurde. Mit dabei waren auch drei Busse der Linksjugend [’solid] MV und einer von „Bunt statt Braun“. Im Laufe des Vormittags kamen alle Konvoi-Insassen in der Dresdener Innenstadt an und liefen in Richtung Dresdener Hauptbahnhof, der letztlich von allen Seiten blockiert wurde. Insgesamt waren es gut 20.000 Menschen aus allen progressiven politischen Kreisen, die dem Aufruf des Bündnisses „Dresden nazifrei“ gefolgt waren. Etwa 4.500 gewaltbereite Chaoten versuchten den zivilen Ungehorsam mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Gummiknüppeln zu brechen, doch die oft vermummten Polizeibeamten wurde der Lage auch mit roher Gewalt nicht Herr. Räumungsversuche mussten abgebrochen, Polizeiketten auf Druck der Demonstrant_Innen geöffnet werden.
Auf dem Hauptbahnhof fanden sich 600 bis 800 Neonazis ein. Ihnen blieb allerdings nicht weiter übrig, als den Lautsprecherwagen der antifaschistischen Blockaden zuzuhören. In Dresden-Plauen standen etwa 1.000 Rechtsradikale und warteten auf den Beginn ihres Aufmarsches. Ursprünglich sollten sich weitere „Kameraden“, die in Bussen gekommen waren, zu ihnen gesellen, da diese sich von der Polizei nicht kontrollieren lassen wollten, durften auch sie nur in der Kälte eines Rastplatzes warten. Gegen vier Uhr nachmittags mussten die ersten Rechtsradikalen dann wieder in die Züge steigen und von Dannen fahren. Auch eine von Neofaschist_Innen geplante Spontandemo in Leipzig als Alternative wurde ihnen von der Polizei untersagt.

Am Abend wurde das Pressebüro des Bündnisses „Dresden nazifrei“ von Sondereinsatzkräften der Polizei gestürmt. Unterm Strich bleibt der 13. Februar für Jung- und Altfaschisten also nicht nur eine historische Niederlage, sondern auch eine der Gegenwart. Es waren, selbst wenn mensch die Teilnehmerzahlen beider Wochenenden zusammenzählt, nur halb so viele Rechtsradikale in Dresden, wie letztes Jahr. Daran können auch der Angriff auf ein alternatives Zentrum in Dresden genauso wenig etwas ändern, wie der dilettantische und nutzlose Versuch Autoscheiben der Bus-Konvois einzuwerfen.
Für das Bündniss „Dresden nazifrei“ und alle, die an der Verhinderung der neofaschistischen Aufmärsche beteiligt waren, war der Tag ein weiterer Tag des Triumphes.

Besuch der KZ-Gedenkstädte Barth

Das KZ Barth wurde als Nebenlager des KZ Ravenbrück im Laufe des Jahres 1943 im Fliegerhorst Barth eingerichtet, insgesamt sechs Baracken mit einer jeweiligen Größe von ca. 15qm wurden für die Unterbringung von 7000 Häftlingen mit elektrischen Doppelzäunen und Wachtürmen für die SS bereitgestellt. Der Rostocker Heinkel Rüstungskonzern wollte seine Produktion aus dem zerbombten Stammwerk in Marienehe in die Hangas des Fliegerhorstes Barth verlegen, um dort preisgünstig Bomber und Düsenjäger für den faschistischen Angriffskrieg zu fertigen. Frauen und Männer wurden dazu aus den Lagern in Buchenwald, Dachau, Ravensbrück, Pölitz, Karlshagen und Born nach Barth transportiert. Die Verhältnisse unter denen die Menschen aus über 20 Nationen 12 Stunden täglich arbeiten mussten waren Lebensfeindlich, der Alltag war bestimmt von Folter, Prügel und ständiger Angst vor den Wächtern, denen die Häftlinge Namen gaben wie „Schlächter“ oder „Boxer“. Der „Knochenbrecher“, rühmte sich mit nur einem Schlag die Knochen der Lagerinsassen brechen zu können. Unter diesen Umständen war das Leben im Lager sehr hart und kräftezehrend, sodass ohne einen Anstieg der Insassenzahl zu verzeichnen innerhalb sehr kurzer Zeiträume bis zu 300 neue Zwangsarbeiter im Lager eintrafen. Im Frühjahr 1945, als schon große Teile des faschistischen Deutschlands durch die rote Armee befreit, waren schickten die SS-Wachleute die Inhaftierten Menschen auf einen Todesmarsch, wie es sie zu der Zeit hunderte gab, in Richtung Rostock. So verloren noch Tausende Menschen in den letzten Kriegstagen ihr Leben. Doch als die Rote Armee immer näher kam, flohen die SS-Wachleute und überließen die Gefangenen sich selbst.

Diese Erkenntnisse haben wir gesammelt bei unserem Besuch der Gedenkstädte des KZ-Barth, eine angemessene Anlage, welche sich anscheinend seit der Wende einer nicht allzu großen Aufmerksamkeit seitens der Stadt Barth erfreut. Müll, Schmutz und Buschwerk säumen den Weg von der Straße zu den Gedenktafeln und Reliefs des kürzlich verstorbenen Bildhauers Jo Jastram. Das zerstörte Gelände des Fliegerhorstes Barth mit dem sich darauf befindlichen Gedenkpfades rund um den Bereich des KZ befinden sich unweit von der Gedenkstädte, aber auch diese ist schlecht zu finden. Die Einfahrt zu einem Hotel und einer Kleingartenanlage lässt uns den Weg des ehemaligen KZ vermuten, dort befinden sich an den Eckpunkten des Lagers Informationstafeln mit Zeugenaussagen von Häftlingen und Wärtern, sowie von Angestellten des Horstes. Das Aussehen der Tafeln weißt auf eine zeitnahe Installation hin. Die Gefühle, welche uns beschäftigten, haben wir auf dem Rückweg nach Rostock in kleiner Runde ausgetauscht: Angst, Beklemmung, Wut und Fassungslosigkeit über das Geschehene und der augenscheinliche Umgang der Gemeinde in unseren Tagen waren Thema. Es ist doch äußerst Fragwürdig, dass eine Stadt wie Barth, die vom Tourismus lebt diese Epoche ihrer Geschichte so schändlich behandelt, weder Hinweisschilder am Ortseingang noch in Barth selbst weisen auf diesen Ort hin. Allerdings weißt die Architektur in Barth auf die wirtschaftliche Blütezeit hin, viele Gebäude um den Altstadtkern herum weisen eindeutige bauliche Merkmale des faschistischen Deutschlands zwischen 1933-45 auf.

Zur Homepage der Barther Gedenkstättenarbeit geht es unter www.dok-barth.de

VVN-BdA fordert Medien zu mehr Sorgfalt auf

Der Vorsitzende der VVN-BdA Mecklenburg Vorpommern weist die medialen Anschuldigungen gegen die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ zurück.

Die VVN-BdA wird in Mecklenburg-Vorpommern durch die Gewerkschaften, Bürgerbündnisse und Zentren für Demokratie für ihre engagierte Arbeit in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus und Neonazis geschätzt. Mit Empörung müssen wir festestellen, dass der NDR am 02.02.2011 im Nordmagazin die Rufschädigung der VVN-BdA durch den FDP-Bundestagsabgeordneten Christian Ahrendt unkritsch medial verbreitet hat und weitere Medien diesem Vorgehen folgten. Bereits vor einem halben Jahr hatten die Medien im Zusammenhang mit der Eröffnung der Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ in Grevesmühlen mitgeteilt, dass der Innenminister des Landes den Extremismusvorwurf gegenüber der VVN-BdA in MV nicht teilt. Wir sind erstaunt, dass die Presse nun diesen Vorwurf wieder aufgreift. Zudem verweist der NDR ungepüft auf fragwürdige Einschätzungen des bayrischen Verfassungsschutzes. Eine Prüfung hätte ergeben, dass die bayerische SPD-Landtagsfraktion im Frühjahr 2010 die bayrische Landsregierung in einem Antrag dazu aufgefordert hatte, eben jene diffamierenden Anschuldigungen gegenüber der VVN-BdA zu unterlassen und aus dem Bericht zu streichen. Der Vorgang in Schwerin zeigt nun, dass die Medien den leichtfertigen Umgang mit dem Extremißmußvorwurf überdenken sollten.

Wieder einmal werden Opfer des NS-Regimes diffamiert, während viele der Täter jahrzentelang geschont wurden. Zu den Opfern gehört auch unser langjähriges Vorstandsmitglied Dr. Rabe, über dessen Schicksal in der NS-Zeit sich jeder im Buch „Halbjude ?“ der Landeszentale für politische Bildung informieren kann. Wir bedauern, dass gegenüber unserer Ausstellung zwar Anschuldigungen in den Raum gestellt werden, aber eine inhaltliche Auseinandersetzung kaum erfolgt. Angesichts der Tatsache, dass die Bemühungen der Demokraten in MV in der Auseinanderastzung mit dem Rechtsextremismus leider nicht immer und überall die gewünschten Ergeb-nisse erbringen, verweisen wir in unserer Ausstellung auch darauf, dass die Tabuisierung und Verharmlosung inhaltlicher Schnittmengen von Neonazis mit konservativen Positionen, deren Verbänden, Organisationen und politischen Vertretern ein Grund dafür sein könnte. Wir zeigen vielfältige Facetten dieser Schnittmengen in unserer Ausstellung auf. Die Zitate von Politikern mit diskriminirenden Inhalt sind korrekt wiedergegeben, sprechen für sich und wurden bundesweit medial kritisiert. Wir weisen darauf hin, dass die Verwendung des Zitates von angeblich „zu vielen jungen kriminellen Ausländern“ seinerzeit in einem Wahlkampf mit ausländerfeindlichen Tendenzen erfolgte, der bundesweit medial kritisiert wurde.

Nach der erneuten unkritischen Verteidigung der Bundes der Vertrieben in TV Schwerin durch CDU-Fraktionschef Ehlers möchten wir noch einmal darauf hinwei-sen, dass wir in der Ausstellung, unserer Pressemitteilung vom 01.02.2011 und in zwei Interviews mit dem NDR am 02.02.2011 auf Jahrzehnte währende revanchistische und geschichtsverfälschende Thesen des BdV hingewiesen haben, die durch Spiegelrecherchen unzweifelhaft belegt werden. Dort wird auch aufgezeigt, dass zahlreiche Spitzenvertreter der Bundes der Vetriebenen rechtsradikale Positionen vertreten haben und der BdV versucht hat, die eigene nazibelastete Geschichte zu beschönigen. Trotz aller Integrationsleistungen des BdV sollte Herr Ehlers diese Tat-sachen zur Kenntnis nehmen, die zu Recht in unserer Ausstellung gezeigt werden. Schließlich bilden Geschichtsverfälschung und Revanchismus klassische Merkmale bei der Konstituierung rechtsradikaler Einstellungen.

Dr. Axel Holz,Vorsitzender VVN-BdA MV e.V.




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