Archiv der Kategorie 'Über unseren Verband'

Verbotsverfahren konsequent durchführen!

Die VVN-BdA begrüßt entschieden die Einleitung eines neuen NPD-Verbotsantrages durch den Bundesrat. Bedauerlich ist, dass Bundesregierung und Bundestag beiseite stehen und keinen Beitrag zum Verbot der ältesten neofaschistischen Partei Deutschlands zu leisten bereit sind.

Es ist erschütternd, dass es anscheinend erst des NSU-Skandals bedurfte, um so weit zu kommen. Der allgemeine Vertrauensverlust in die sogenannten „Verfassungsschutz“-ämter und die offenkundige Verquickung von führenden NPD-Kadern in ein langjähriges Mordkomplott waren so schwerwiegend, dass das V-Mann-System nunmehr für beendet erklärt werden musste. Das offizielle Ende der faktischen Verquickung von Neonazi-Partei und Staat ist bereits ein Erfolg für sich.

Bestätigt fühlen können sich alle, die seit fast 50 Jahren dafür gekämpft haben, die legale Existenz einer neofaschistischen Partei mit allen daraus resultierenden finanziellen und juristischen Vorteilen für die NPD zu beenden. Die VVN-BdA hat sich dafür von Anfang an und insbesondere seit 2007 mit ihrer Kampagne „nonpd – NPD-Verbot jetzt!“ besonders engagiert.

Bis zum Verbot und der tatsächlichen Auflösung der NPD wird die VVN-BdA das Verbotsverfahren kritisch begleiten.

Kein Kiez für Nazis! – Keine Stimme der Rassist_innen! – ’sozial gerecht‘ schreibt sich ohne n, p, d!

Gemeinsamer Aufruf zu den Bundestagswahlen 2013 in Mecklenburg-Vorpommern

Am 22. September diesen Jahres wird ein neuer Bundestag gewählt. Neben vielen demokratischen Parteien will auch die rechtsradikale NPD in das Berliner Parlament einziehen.

Mit einem massiven Materialaufgebot versucht die NPD derzeit die Aufmerksamkeit der Bürger_innen in der Bundesrepublik zu bekommen. Während sich diese Partei in der Öffentlichkeit als eine Kümmerer-Partei, die sich auch um die kleinsten Belange der einfachen Menschen kümmert, in Szene setzen will, hetzen ihre Spitzenpolitiker_innen regelmäßig gegen Migrant_Innen, alternative Jugendliche, Homosexuelle und andere Minderheiten in diesem Land.

Die NPD ist eine rassistische und antidemokratische Partei, die in der Tradition des historischen Nationalsozialismus steht. Sie leugnet den Grundsatz der Gleichheit aller Menschen. In den Landtagen von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Kommunalparlamenten beweist die NPD schon jetzt, dass sie nicht an den Problemen der Menschen interessiert ist, sondern lediglich eine Plattform sucht, um ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten.

Das Konstrukt der „Volksgemeinschaft“, welches die Nazis propagieren, bedeutet immer Ausgrenzung von Menschen. Der NPD und ihren Sympathisant_innen setzen wir ein solidarisches Miteinander entgegen. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, einem Bundesland in dem die NPD relativ großen Einfluss gerade auch bei Jugendlichen hat, ist es besonders wichtig, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit die Stirn zu bieten.

Wir streiten für ein Mecklenburg-Vorpommern in dem alle Menschen unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion und Sexualität friedlich und solidarisch zusammenleben.

Wir fordern:
Kein Kiez für Nazis! Keine Stimme den Rassist_innen! „Sozial gerecht“ schreibt sich ohne n, p, d!

Infoportal für antifaschistische Kultur und Politik aus Mecklenburg-Vorpommern
ino.blogsport.de

Initiative Rock gegen Rechts Stralsund
www.rockgegenrechts.com

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist_Innen MV, Basisorganisation Jugend
boju.blogsport.de

20 Jahre nach dem Pogrom von Rostock Lichtenhagen: – Ein großes antirassistisches Programm steht am Wochenende 25./26. August in Rostock bevor

Kundgebung, Demonstration, Konzert und World-Café in Rostock

Es beginnt am Samstag um 11 Uhr auf dem Neuen Markt mit der Kundgebung „Das Problem heißt Rassismus“. Es werden Vertreter antirassistischer Initiativen sprechen. Eine große Rolle wird auch die berühmte Tafel spielen, die wenige Wochen nach dem Pogrom von der französischen Gruppe „Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs“ um Frau Beate Klarsfeld am Rostocker Rathaus aufgehängt wurde. Die Reaktion der Behörden bestand in der sofortigen Entfernung der Inschrift, der vorübergehenden Festnahme von 43 und längerfristigen Inhaftierung von 3 Beteiligten. Der Text der Tafel lautet:
„In Rostock und anderen deutsche Städten gingen Menschen im August 1992 mit rassistischen Gewalttaten und Brandstiftungen gegen unschuldige Familien, Kinder, Frauen und Männer vor. Wir erinnern an die Millionen Kinder, Frauen und Männer, die, weil als Juden, Sinti und Roma geboren, dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer fielen. In einer einzigen Nacht unvergeßlichen Grauens wurden am 2.8.1944 die 3000 noch lebenden Menschen im Zigeunerlager Auschwitz-Birkenau durch Gas ermordet. Diese Erfahrungen und historischen Verpflichtungen für das deutsche Volk müssen wachgehalten werden, um zu verhindern, daß sich Gewalt und Menschenverachtung je wiederholen.“

Um 14.00 Uhr beginnt am S-Bahnhof Lütten-Klein die Demonstration „Grenzenlose Solidarität“. Mit Zwischenkundgebungen führt sie zum Sonnenblumenhaus. Wir erinnern daran, dass vor 20 Jahren eine Allianz aus staatlicher Ausländerfeindlichkeit, Medienhetze und Alltagsrassismus zuließ, dass Neonazis und Rassisten Flüchtlinge und Vertragsarbeiter tagelang angriffen.

Die Demonstration geht über in ein antirassistisches Konzert unter dem Motto „Beweg dich für Bewegungsfreiheit“ mit zahlreichen Bands, u.a. „Feine Sahne Fischfilet“.

Am Sonntag um 10.30 Uhr trifft man sich im „Peter-Weiss-Haus, Bad Doberaner Str. 21, zum World-Café mit dem Titel „Lichtenhagen, NSU und alle schauen zu…“ Nach kurzen Inputs werden wir schnell in eine gemeinsame solidarische Diskussion einsteigen. Ziel ist auch eine Vernetzung unserer antirassistischen Aktivitäten und der Austausch über die ganz verschiedenen Lebensrealitäten, die unser Engagement prägen und bestimmen. Wir wollen untersuchen, wie antirassistische Solidarität überhaupt gehen kann – und wo wir an unsere Grenzen stoßen. Es wird für Essen und Getränke gesorgt. Die Veranstaltung wird bis etwa 15 Uhr dauern.

Kommt alle, erzählt es euren Freund_Innen und bringt Fahnen und Transparente mit!

Weitere Infos unter lichtenhagen.blogsport.de

Demonstration „Sie waren Schweriner“ zum Gedenken an die Schweriner Opfer des Faschismus in der Landeshauptstadt

Die Schweriner Gruppe die Bunten ruft auf:

Am 10. Juli 2012 jährt sich zum 70. Mal die erste Deportation der Schweriner Juden in das Vernichtungslager Auschwitz. Anlässlich dieses traurigen Kapitels der Schweriner und Gesamtdeutschen Geschichte, rufen wir „Die Bunten“ alle Demokrat_Innen dazu auf, sich an der Gedenkdemonstration am 10. Juli 2012, ab 16:00 Uhr in Schwerin zu beteiligen!

Treffpunkt ist der Grunthalplatz (Bahnhofsvorplatz). Von dort aus startet der Gedenkmarsch durch die Landeshauptstadt, in dem wir nicht nur der deportierten Juden, sondern allen Opfern des Faschismus auf Schweriner Boden gedenken werden. In Zeiten des wieder erstarkenden Faschismus in der BRD ist um so wichtiger ein Zeichen für Toleranz und Demokratie und gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus zu setzen. Lasst uns gemeinsam unter dem Motto: „Sie waren Schweriner“ den Opfern des größten Verbrechens in der deutschen Geschichte ehren und gedenken!

Deshalb am 10. Juli 2012 auf nach Schwerin! Um 16:00 Uhr auf den Grunthalplatz!

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

Weiter Infos unter Anfrage auf www.diebunten.wg.vu.

PM: Demokratie braucht Dich und keine Nazis! – Aktionstage gegen Rechts 2012

Wir Dokumentieren eine Pressemitteilung von Rock gegen Rechts Stralsund, dass unter anderen wir unterstützen:

„Demokratie braucht Dich und keine Nazis!“, so heißt die Message der Initiative Rock gegen Rechts in diesem Jahr. Vom 14. Juli – 11. August finden in diesem Jahr die Aktionstage gegen Rechts in der Hansestadt Stralsund statt. Die Aktionstage werden, wie auch im letzten Jahr, mit einem Konzert von Künstlern aus der Region und dem Bundesgebiet eröffnet. Die Kampagne 2012 ist schon jetzt ein voller Erfolg. Wir haben wieder etliche Sponsoren gefunden die unser Konzept unterstützungswürdig finden. Zu den Unterstützern gehören unter anderem die Hansestadt Stralsund, die Plattform „Mut gegen rechte Gewalt“ des Sterns, Kerstin Kassner, Firmen, Gewerkschaften und Politiker aus Bund und Land.

„Insgesamt werden 7 Veranstaltungen stattfinden, wobei wir auch außerhalb der bisherigen Planung Straßenaktionen, wie z.B. Infostände machen wollen, um auf das Thema Rechtsextremismus in der Region Vorpommern aufmerksam zu machen. Auch wenn in diesem Jahr keine Wahlen sind, ist es nötig über rechte Tendenzen und Rassismus zu informieren und auch Gegenstrategien aufzuzeigen. Das zeigen auch die bisher
aufgedeckten Fälle der Terrorzelle NSU und deren Verbindung zu Neonazis im Raum Mecklenburg-Vorpommern. In unserem Landkreis und der Hansestadt Stralsund muss es ein friedliches und tolerantes Zusammenleben
geben. Die Weltoffenheit muss bewahrt werden.“

Die Aktionstage werden sich in diesem Jahr auch besonders um Asylpolitik und die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen 1992 drehen.

Die Initiative lädt alle Menschen aus dieser und anderen Regionen ein sich an den einzelnen Veranstaltungen zu beteiligen und sich gegen rechte Tendenzen zu engagieren

Aufruf zur Demonstration: 20 Jahre nach dem Progrom in Lichtenhagen

Gren­zen­lo­se So­li­da­ri­tät – Auf­ruf zur an­ti­fa­schis­ti­sche De­mons­tra­ti­on durch Ros­tock-​Lich­ten­ha­gen!

Vor 20 Jah­ren fla­cker­ten Bil­der aus Deutsch­land um die Welt, die man für Ver­gan­gen­heit hielt: Bren­nen­de Häu­ser, flie­hen­de Men­schen, ein ge­walt­tä­ti­ger Mob, an­ge­lei­tet von neo­fa­schis­ti­schen Strip­pen­zie­hern, Bei­fall klat­schen­des Pu­bli­kum, ver­ant­wor­tungs­lo­se Ver­ant­wort­li­che.
Eine Al­li­anz aus staat­li­cher Aus­län­der­feind­lich­keit, Me­di­en­het­ze und All­tags­ras­sis­mus ließ zu, dass viet­na­me­si­sche Ver­trags­ar­bei­ter und Flücht­lin­ge, unter ihnen viele Roma, um ihr Leben fürch­ten muss­ten. Das bren­nen­de Son­nen­blu­men­haus wurde zu einem er­schre­cken­den Sym­bol des wie­der­ver­ei­nig­ten Deutsch­land.

Nur Wo­chen nach dem Po­grom wurde in einem brei­ten Kon­sens im Bun­des­tag das Grund­recht auf Asyl ab­ge­schafft. Weder die NPD noch ihr Ab­le­ger „Ham­bur­ger Liste Aus­län­der­stop“ wur­den ver­bo­ten, ob­wohl sie un­mit­tel­bar vor Be­ginn der Po­gro­me ihre Hetze nach Ros­tock ge­tra­gen hat­ten. Neo­fa­schis­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen und Grup­pen wer­den bis heute nicht ent­schie­den be­kämpft. Gleich­zei­tig wer­den an­ti­fa­schis­ti­sche In­itia­ti­ven be­hin­dert und als „ex­tre­mis­tisch“ dif­fa­miert.

Heute hat das auf Men­schen an­ge­wen­de­te Nütz­lich­keits­den­ken den po­li­ti­schen Dis­kurs wei­ter ver­gif­tet. Aus­gren­zung und Stig­ma­ti­sie­rung von Mi­gran­ten und Flücht­lin­gen sind wei­ter­hin tief in der Mitte der Ge­sell­schaft ver­an­kert. Die „Fes­tung Eu­ro­pa“ und das Ab­schie­be­la­ger­la­ger Horst in Meck­len­burg-​Vor­pom­mern ste­hen dafür.

Da­ge­gen set­zen wir da­mals wie heute So­li­da­ri­tät mit den Op­fern in­sti­tu­tio­nel­len und all­täg­li­chen Ras­sis­mus. Wir de­mons­trie­ren für das Men­schen­recht auf Asyl, für Teil­ha­be aller Men­schen am Wohl­stand, für die so­zia­len und de­mo­kra­ti­schen Rech­te Aller hier und über­all.

Wir fo­dern:
- Schluss mit Ab­schie­bun­gen, Re­si­denz­pflicht und Ar­beits­ver­bot!
- Stoppt die Ver­fol­gung von Roma in Ost­eu­ro­pa und über­all!
- Keine To­le­ranz für fa­schis­ti­sche Ideo­lo­gie und Ge­walt!
- Dres­den, Ros­tock, Dort­mund, alle Städ­te na­zi­frei!
- Schluss mit der Kri­mi­na­li­sie­rung von An­ti­fa­schis­t_in­nen und An­ti­ras­sis­t_in­nen!

Gegen Ras­sis­mus –für gren­zen­lo­se So­li­da­ri­tät!

Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ im Bildungskeller Rostock

Neonazi nach altem Klischee

Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ wird vom 02. Mai bis zum 11. Mai im Bildungskeller der Universität Rostock zu Gast sein. Im Vorfeld des 8. Mai, dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, wird die Ausstellung wochentags zwischen 14 und 17 Uhr, Dienstag 14 bis 20 Uhr, zu besichtigen sein. Die Ausstellung informiert über neuere Erscheinungsformen des Rechtsradiaklismus, des Rassismus, Xenophobie, Islamophobie und Antisemitismus in der organisierten Rechten.

Die oftmals in medialen Darstellungen bemühte Darstellung des Skinheads mit Bomberjacke und Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln sind, bis auf wenige Ausnahmen wie etwa die Skinheadfront Dorstfeld in Dortmund, längst überholt. Neonazis geben sich modern, versuchen sich in Jugendsubkulturen zu integrieren und kopieren die Aktionsformen und Kleidungsweise ihrer politischen Gegner_innen, der radikalen Linken. Trotz der oberflächlichen Modernisierung ist die Denke, übernommen aus dem historischen Nationalsozialismus, ungebrochen in den Köpfen der neuen Nazis präsent. Die Ausstellung erarbeitet anhand vieler Beispiele die unübersehbare Verbindung und geistige Verbindung zwischen 3. Reich und Neonazis aus NPD und Kameradschaften.

Die Ausstellung bleibt jedoch keineswegs bei denen stehen, die sich mehr oder minder in die Tradition des 3. Reichs stellen, sondern behandelt auch die Neue Rechte als intellektuell erscheindende Variante reaktionäres Denken und Denkmuster aus der Mitte der Gesellschaft, die den Anschluß an rechtsradikales Denken erleichtern. Der Extremismus-Begriff, der es der „politischen Mitte“ erleichtern soll unreflektiert an seinen Vorstellungen und Vorurteilen festhalten zu können, wird in der Ausstellung ebenfalls behandelt.

Selbst für aktive Antifaschist_innen hat die NeoFa-Ausstellung also noch einige interessante Aspekte aufzuweisen, die es lohnend machen sich die Ausstellung anzusehen. Aber auch für Menschen denen die Thematik neu ist lohnt sich ein Besuch. Die Basisorganisation-Jugend des VVN-BdA M-V, die die Ausstellung mithilfe des AStA-Uni Rostock bereit stellt, freut sich auf euren Besuch.

Neofaschismus-Ausstellung ab 13. April in Stralsund zu sehen

Ausstellung Neofaschismus in Deutschland

Alter Markt 7, Grünes Büro, 13. April – 18. Mai

täglich geöffnet von 09-16 Uhr

In Deutschland werden Menschen beschimpft, bedroht, zu Tode getreten, weil sie als Fremde oder Andersdenkende gehasst werden. Über 100 Todes-opfer hat die neofaschistische Gewalt seit 1990 gefordert.
Die Ausstellung trägt dazu bei, Aufmerksamkeit zu schärfen, geistige Zusammen-hänge aufzudecken und Handlungsmöglichkeiten gegen menschenverachtende Haltungen aufzuzeigen. Die Ausstellung lädt ein zum Gespräch und thematischen Runden mit Schülern und Schülerinnen.

Ausstellungseröffnung Freitag, 13. April, 17 Uhr. Der Vorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten in Mecklenburg-Vorpommern. e.V., Dr. Axel Holz und der Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Suhr, eröffnen die Ausstellung.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch den VVN-BdA, verdi NORD und den Kreisverband Rügen-Vorpommern von Bündnis 90/Die Grünen.

Als Meinungsfreiheit verkauft

Am Puls der Zeit war die Nordkonferenz auch am diesjährigen 25./26. Februar. Mit Yves Müller, Mathias Wörsching (beide Verein für demokratische Kultur in Berlin) und Alexander Häusler (Arbeitsstelle Neonazismus FH Düsseldorf) standen am Samstag drei kenntnisreiche und engagierte Referenten zum Schwerpunkt Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus im politischen Raum zur Verfügung. Deutlich wurde, dass die NPD und die mit ihr verbundenen Kameradschaften nicht das Monopol auf Verbreitung extrem Rechten Denkens halten. Mit flächendeckender Verbreitung und ihrer militanten Vorgehensweise können sie allerdings derzeit weitaus größere Erfolge erzielen. In Berlin konnten sie sich in vier Bezirksverordnetenversammlungen festsetzen. Ihnen haftet der Geruch an Kümmererpartei zu sein, Sorgen in Alltagsfragen aufzugreifen. Sieht man genauer hin, so verflüchtigt sich dieser Eindruck sehr bald, denn in der täglichen Ausschussarbeit wird man sie vergeblich suchen. Beliebte Themen neonationalsozialistischer Gruppen sind Forderungen nach Wegsperren von Kinderschändern, Beschränkung von Sozialleistungen auf Deutschstämmige, Sperrung von Geldern für autonome Jugendprojekte, Gedenken an Kriegsverbrecher mit sog. Roten Stolpersteinen, Platzbenennung nach Waldemar Pabst, dem Verantwortlichen für die Morde an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Dagegen reagieren demokratische Parteien in der Regel fast ausschließlich mit Änderungen der Geschäftsordnung und formaler Zurückweisung der Anträge.
Das unbestritten notwendige Verbot der NPD würde zweifellos die aggressiv demokratiefeindliche Verbreitung faschistischer Sozialdemagogie zurückdrängen. Kulturreligiös daherkommende globalisierungsfeindliche Haltungen aus der Mitte der Gesellschaft bedienen sich allerdings auch anderer Varianten autoritätshörigen Staatsverständnisses. Bewegungen wie PRO-Deutschland, Schill-Partei, Bürger in WUT, Pro-DM, auch die REPs kommen als rechtskonservative Bewahrer daher und bestärken Ängste vor einem Abstieg des kleinen Mittelstandes in einer veränderten Weltsituation. Anders als gleichgesinnte Bewegungen in den europäischen Nachbarländern vermögen sie die hohe Akzeptanz etlicher ihrer Argumente nicht in Wählerstimmen umsetzen. Das geht vermutlich auf die immer noch recht hohe Tabuschwelle zurück, als Ergebnis der Niederlage des Faschismus und Rechtskonservatismus im Zweiten Weltkrieg. Größere Ost-West-Unterschiede sind nicht zu erkennen, wie Alexander Häussler darlegte. Ausgrenzung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung 1933/45 führen bis heute zu einer Ablehnung neonationalsozialistischer Gruppierungen. Der moderne Rassismus führt kulturreligiöse Ausgrenzungsgründe an, ist vorwiegend gegen den muslimischen Teil der Bevölkerung gerichtet. Sarrazins Thesen sollten zum Dammbruch werden, konnten aber nur begrenzt Wirkung entfalten und wurden durch die Morde in Norwegen und die Aufdeckung der sog. Zwickauer NSU-Zelle in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund gedrängt. Die Schweizer Kampagne gegen den Minarettbau wurde mehrfach in verschiedenen Bundesländern nachgeahmt, konnte aber aufgrund vehementer Ablehnung breiter Demokratiebündnisse keine Erfolge einfahren.
Im Anschluss an eine spannende Diskussion um Handlungskompetenz in der Abwehr extrem rechter und faschistischer Propaganda und Aktivitäten schloss sich ein Vortrag von Bernd Meimberg zur Zuspitzung der Sicherheitslage im Mittleren Osten an. Hingewiesen wurde auf die Propagierung eines Szenarios, wie es schon bei der Bombardierung Jugoslawiens und Libyens abgespielt wurde. Zu Unrecht wurde auch jetzt wieder die UN-Charta als Begründung für Kriegsvorbereitungen gegen die Regierungen Syriens und Irans bemüht. Der Abend war gefüllt von Achim Bigus’ Programm mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg, das alle in Bann zog und zum Mitsingen einlud.
Sonntagvormittag stand unter dem Vorzeichen einer Würdigung der Arbeit der VVN mit einem Bilder-Vortrag unseres Kameraden Ulrich Sander. Eine Öffnung der Vereinigung gegenüber der nachfolgenden Generation erfuhr die Organisation schon in den 50er Jahren mit der Einbeziehung der Kinder des Widerstands. Ausführlich wurde die Notwendigkeit der VVN-Gründung März 1947 in Frankfurt/Main belegt und die jahrelangen Versuche sie zu verbieten und führende Mitglieder durch Berufsverbote in ihrer Existenz zu beschneiden. Ihre antimilitaristischen Aktivitäten belegen, das der Friedensarbeit durchgängig dieselbe Bedeutung zukommt wie der antifaschistischen Arbeit. Der Kampf um gerechte Entschädigung für Haftschäden und Zwangsarbeit ist ein weiteres Feld politischer Tätigkeit der VVN.
Zum Abschluss der diesjährigen Nordkonferenz wurden einige Festlegungen für die Arbeit bis zur nächsten Konferenz getroffen. Die Internetseite der Neofa-Kommission Küste wurde im vergangenen Jahr rund 11.000-mal aufgerufen. Beiträge aus Bremen und Schleswig-Holstein könnten häufiger eingestellt werden, dort gibt es allerdings anders als in Mecklenburg-Vorpommern eine regelmäßig erscheinende Mitgliederzeitung. Ein echter Gewinn wäre eine Verankerung des antifaschistischen Umlandes von Heideruh in die Arbeit der Kommission. Die Nordkonferenz sollte ihre Spuren auch in den Länderseiten der ANTIFA lassen. Etwas unklar blieb, wieweit die Themenstellung für die Nordkonferenz schon zwölf Monate im Voraus festgelegt werden könnten, wichtig aber um gute Referenten zu gewinnen. Auf dem Wunschzettel stehen globaler Antisemitismus, Globalisierungsängste/Soziale Demagogie, Zukunftsentwurf Antifaschismus.
Raimund Gaebelein

Gedenkfeier für Opfer des neofaschistischen Terrors

In zahlreichen deutschen Städten wird an diesem Donnerstag der Opfer einer beispiellosen Mordserie von Neonazis gedacht.
An diesem Donnerstag, dem 23.2., findet im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin die zentrale Gedenkfeier für die Opfer der Mordserie des nationalsozialistischen Untergrundes statt. Auch in anderen Städten finden Gedenkfeiern statt und der DGB und der BDA haben zu einer bundesweiten Schweigeminute aufgerufen.

An der Veranstaltung, welche vom ehemaligen Bundespräsidenten Wulff initiiert wurde, werden Mitglieder aller Verfassungsorgane, Angehörige der Opfer und Mitglieder des Menschenrechtsausschusses des türkischen Parlamentes teilnehmen. Neben den Mordopfern der neofaschistischen Terrorzelle sollen auch allen anderen Opfern rassistisch motivierter Gewalt in Deutschland gedacht werden und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gesetzt werden. Die Hauptrede wird von Kanzlerin Angela Merkel gehalten und auch Angehörige der Mordopfer werden zu Wort kommen.

In Thüringen wurde von der Landesregierung für Donnerstag Trauerbeflaggung angeordnet. Die Täter der rassistischen Morde an den neun Kleinunternehmern mit Migrationshintergrund stammten aus Thüringen und waren Teil des neofaschistischen „Thüringer Heimatschutzes“.

An vielen Schulen Deutschlandweit wird es eine Schweigeminute geben, ebenso bei Landesbehörden und städtischen Ämtern. In einigen Betrieben wird die Arbeit für eine Minute niedergelegt um den Opfern gedenken zu können und unter anderem in Berlin und Hamburg soll der öffentliche Nahverkehr für eine Minute still stehen.

von Nils Willscheid




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: