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8. Mai 1945 – Tag der Befreiung!

Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Bundespräsident an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen und damit einen Perspektivenwechsel eingeleitet hat. Bis dahin hatte die Sicht der Nazis, der Deutsch-Nationalen, der „Frontkämpfer“, der Profiteure und Mitläufer das offizielle Vokabular geprägt: Zusammenbruch, Kapitulation, Besatzer. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Nazi-Regimes „gesellschaftsfähig“, der 8. Mai wurde im bundesdeutschen Geschichtsdiskurs zum Tag der Befreiung. Und wo es Befreiung gibt, gibt es auch Befreier. Nach der „Wehrmachtsausstellung“ war dann auch klar, dass jeder Tag, an dem die Ostfront hielt,den Betrieb der Krematorien in Auschwitz verlängerte.

Inzwischen hatte allerdings der Planungsstab der Bundeswehr in den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ die „Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt“ zum Auftrag der Bundeswehr erklärt. Seit 1998 ist Deutschland wieder ein Krieg führendes Land und ein kriegsbereiter Bundespräsident denunziert „jene (), die Deutschlands historische Schuld benutzen, um dahinter Weltabgewandtheit oder Bequemlichkeit () verstecken.“

Der Versuch, mithilfe der Totalitarismustheorie im Wesen Unvergleichliches gleichzusetzen, wie es Anfang der 1990er Jahre bspw. in den Gedenkstätten Sachsenhausen, Ravensbrück und Buchenwald versucht wurde, war damals noch auf scharfen Protest im Europa-Parlament gestoßen. Mit der EU-Osterweiterung kommen von dort die heftigsten Vorstöße für ein „neues europäisches Geschichtsverständnis“, gipfelnd im Beschluss, den 23. August zum europäischen Gedenktag an die „Opfer von Faschismus und Stalinismus“ zu machen.

ln Kiew, wo die EU-Osterweiterung ­an Oligarchen und Parlament scheiterte, zeigt sich Außenminister Steinmeier Seit’ an Seit’ mit dem Anführer der Partei Swoboda, die sich auf den ukrainischen Nazi-Kollaborateur und Massenmörder Stepan Bandera beruft. Kurz darauf erkennt die Bundesregierung eine Regierung an, in der neben Swoboda auch der militant-faschistische „Rechte Sektor“ eine Rolle spielt. Im folgenden Konflikt zwischen der „neuen“ Ukraine und Russland ist das Feindbild klar: der Russe ist ‘s.

Und schon ergreift das „größte Drecksblatt der westlichen Welt“ (H. Gremlitza) zusammen mit der Berliner Schwester aus dem Hause Springer die Initiative für eine Petition: „Die russischen Panzer am Berliner Tiergarten sollen entfernt werden.“ Noch dümpelt die Kampagne dahin, aber das kann sich ändern. Der 8. Mai 1945 ist bereits zum „Tag der Befreiung der Konzentrationslager und des Kriegsendes“ geschrumpft. Wenn die letzten überlebenden Häftlinge gestorben sind, bleibt vermutlich nur das „Kriegsende“. Keine Befreiung – keine Befreier.

Lassen wir es nicht so weit kommen! Nutzen wir den 8. Mai zur öffentlichen Erinnerung an die Befreiung, an die Kämpfe und die Kämpfer_innen, denen wir sie verdanken. Und erinnern wir an das Vermächtnis der befreiten Häftlinge von Buchenwald.

Kundgebung zum 66. Jahrestag der Befreiung in Rostock

Bereits eine halbe Stunde, vor dem offiziellem Beginn der Kundgebung, trafen bereits die ersten Antifaschist_Innen am Ehrenfriedhof der bei der Befreiung Rostocks gefallene Rotarmist_Innen am Puschkinplatz ein. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist_Innen Rostock hatte zur jährlichen Veranstaltung eingeladen. Die Infostände der linksjugend [’solid] Rostock und der VVN-BdA M-V BO Jugend wurden langsam aufgebaut. Neben der kostenlos verteilten Tageszeitung Junge Welt gab es jede Menge Infomaterial und T-Shirts. Eine besondere Überraschung: neben vielen Rostocker_Innen waren auch Freund_Innen aus Greifswald gekommen.

Bild: Transparent der VVN-BdA BO Jugend

Außer den etwa 100 Kundgebungsteilnehmer_Innen fanden sich auch zwei Beamte der Polizei ein, um die Kundgebung vor Störenfriede zu schützen. Skeptisch beäugt wurden auch die infostände, besonderes Interesse weckte bei der jungen Dame in der schwarzen Uniform offenbar ein T-Shirt der Doberaner Punkband Initiative Kantholz mit der Aufschirft “Nazis und Bullen den Kampf ansagen”. Regungslos guckte sie sich die ausliegenden Shirts an, winkte schließlich ihren Kollegen zu, dem das Ganze aber wenig zu interessieren schien. Grummelnd liefen die Staatsdiener anschließend eine weitere Runde um den Ehrenfriedhof.

Bild: Ida Schillen während ihrer Eröffnungsrede

Um 10Uhr eröffnete Ida Schilen, Vorsitzende der VVN-BdA Rostock, die Gedenkkundgebung mit einer kurzen Rede. Neben Landtagsabgeordneten wie Regine Lück (DIE LINKE), sprachen unter anderem auch Nico Burmeister, Vorsitzender der Basisorganisation Jugend der VVN-BdA M-V und die Präsidentin der Rostocker Bürgerschaft Karina Jens (CDU): “Wir deutschen haben aus unsere Vergangenheit gelernt.”. Zwischen den Rede spielten Mitglieder der jüdischen Gemeinde passende Musik, die der ganzen Veranstaltung einen würdigen Rahmen gaben.
Bedächtig aber entschlossen gingen junge wie alte Menschen zum Abschluss der Veranstaltung über den Friedhof und legten ihre mitgebrachten Pflanzen auf die Gräber der gefallenen Rotarmist_Innen.

Bild: Karina Jens, Wolfgang Methling (MdL) und Ida Schillen (von l. nach r.) während einer Schweigeminute vor dem Gedenkstein


Bild: Wolfgang Methling (MdL) legt Blumen an einem Grabstein der gefallenen Rotamristen nieder


Bild: Jung und Alt legten gemeinsam Blumen nieder

Gut eine Stunde nach dem Beginn endete die traditionelle Gedenkkundgebung in Rostock. Am Nachmittag fuhren einige Anwesende nach Demmin, um auch dort ein Zeichen gegen Faschismus zu setzen, indem sie sich dem geschichtsrevisionistischen Aufmarsch Rechtsradikaler entgegenstellte.

Rede während der Gedenkveranstaltung am 8.Mai 2011 in Rostock

Folgend dokumentieren wir die Rede unseres Vorsitzenden, Nico Burmeister, anlässlich der Gedenkkundgebung am 8.Mai 2011 in Rostock.

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir haben uns heute hier zusammen gefunden, um dem 66. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zu begehen. Das faschistische Regime hat nahezu auf der ganzen Welt Millionen zumeist unschuldiger Opfer gefordert.
Hunderttausende Häftlinge in den Konzentrationslagern und Zwangsarbeiter in den deutschen Rüstungsunternehmen, wie Siemens oder Bosch mussten für das menschenverachtende NS-Reich arbeiten. Alleine in Rostock wurden über 2.000 Zwangsarbeiter in den Rostocker Heinkelwerken eingesetzt, um für das gesamte sogennante Großdeutsche Reich Kriegsflugzeuge aller Art herrzustellen. Erst mit der Befreiung Rostocks am 1. Mai 1945 durch die Rote Armee konnte dem ein Ende gesetzt werden. Die faschistische Gefahr schien zunächst gebannt.

Doch heute sitzen wieder Faschisten in Parlamenten. In Schwerin sitzt die neofaschistische NPD im Landtag, auch in der Rostocker Bürgerschaft hat sie Fuß gefasst.

Am ersten Mai marschierten über 300 Rechtsradikale durch Greifswald. Couragierte Bürger_Innen, die sich dem neobraunem Mob in den Weg stellten, wurden von der Polizei mit roher Gewalt von der Route der Nazis vertrieben.

Wieder einmal hat dieser Staat gezeigt, wo er politisch steht und welches geistes Kind er ist.
Einem Staat, dessen Armee von ehemaligen Generälen der Wehrmacht ausgebildet wurde;
Ein Staat, dessen Geheimdienst von früheren Waffen-SS Offizieren aufgebaut wurde;
Ein Staat, dessen Minister und Bundeskanzerl hochrangige Mitglieder der NSDAP waren.

Neobraune Aufmärsche haben die letzten Jahre in der ganzen Bundesrepublik zugenommen.

Doch wir können dem braunem Spuk ein Ende setzen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass breite Bündnisse Neofaschisten stoppen können, so zum Beispiel am 13. und 19.Februar dieses Jahr in Dresden.

Es sind aber wir Alle nötig, um ultrarechten Gruppierungen, wie der NPD oder den Kameradschaften, wirksam entgegen treten zu können:

die Parteien und Gewerkschaften genauso wie Antifa-Gruppen, Initiativen gegen Rechts, Vereine, die Kirchen und couragierte Einzelpersonen.

Wir haben oft unterschiedliche Ziele und Vorstellungen, wie eine gerechte Welt ohne Hass, Gewalt, Zorn, Missgunst und Falschheit aussehen soll.

Aber wir haben auch eine Gemeinsamkeit: uns alle verbindet der Gedanke des Friedens und der Menschlichkeit. Wir alle wollen friedlich zusammenleben, ohne Angst um uns oder unsere Mitmenschen haben zu müssen.
Ich finde, diese Grundlage sollte ausreichen, um uns auch in Zukunft stärker zusammenzutun.

Dieses Jahr sind Landtagswahlen in M-V und die NPD wird versuchen, wieder in das Schweriner Schloss einzuziehen.

Gemeinsam können wir das verhindern.
Lasst uns deshalb zusammen streiten und zusammen kämpfen, dass neofaschistische Ideologien keinen Nährboden mehr finden. Zusammen können wir die Welt verändern.

In diesem Sinne:

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Für eine neue Welt des Friedens und der Freiheit!




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