Archiv der Kategorie 'Literatur und Film'

Buchrezension: Rechte Euro-Rebellion

Die Alternative für Deutschland ist im April 2013 als Anti-Euro-Partei gegründet worden, die sich konservativer und marktliberaler positioniert als CDU und FDP . Inhaltlich steht sie dem Netzwerk um den Verein Zivile Koalition e.V. des Ehepaares Beatrix und Sven von Storch nahe. In diesem Band werden Geschichte und Hintergründe der Alternative für Deutschland und der Zivilen Koalition e.V. beleuchtet. Aus dem Scheitern der rechtspopulistischen DM-Partei Bund Freier Bürger und der unternehmernahen Lobbyorganisation Bürgerkonvent e.V. sind rechtskonservativ-libertäre Fortsetzungsprojekte mit neuen Strategien entstanden. Das Besetzen von linken Begriffen wie Direkte Demokratie und Alternative Bewegung ist dabei nicht nur als rechte Diskurspiraterie zu interpretieren, sondern als neue politisch-praktische Strategie. There is no Alternative gilt für die deutsche Tea-Party-Bewegung nicht.

Andreas Kemper
Rechte Euro-Rebellion
Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e.V.
farbig, TB, 110×180 mm
Reihe Antifaschistische Politik [RAP], Band 9
farbig, TB, 110×180 mm
ca. 96 Seiten, ca. 9.80 Euro
ISBN 978-3-942885-49-2 | WG 973
Neuerscheinung ca. Juli 2013

Ein Tag des Lichts und der Befreiung!

Kriegsanleitung – Das „Counterinsurgency Field Manual“

Große mediale Aufregung herrschte im Juli über die „wikileaks“-Veröffentlichung von 92.000 Dokumenten des US-Militärs zum Afghanistan-Krieg, versehen mit dem Stempel „Geheim“. Ignoriert wurde, dass von ranghöheren Autoren verfasste, analysierende und zusammenfassende Texte zum selben Thema seit langem in der Zeitschrift „Military Review“ veröffentlicht werden und dass die „Doktrin“, also die verbindliche Handlungsanleitung, ebenfalls öffentlich zugänglich ist. Das „Counterinsurgency Field Manual“, zu Deutsch „Feldhandbuch der Aufstandsbekämpfung“ stellt einen Wendepunkt im strategischen und taktischen Denken der führenden Militärmacht dar. Es ist ein Gemeinschaftswerk der Führungsstäbe der US Army und des Marine Corps in Verbindung mit diversen dem Militär nahe stehenden Einrichtungen, jedoch nicht des Verteidigungsministeriums oder anderer Stellen der Bundesregierung. Es wurde zum Ende der Regierung Bush unter der Leitung des Generals David Petraeus – zugleich studierter Historiker – entwickelt, damals Kommandeur im Irak, seit kurzem in Afghanistan. Petraeus gilt, das sei gesagt um die Bedeutung des folgenden besser würdigen zu können, in den USA als Architekt des Sieges über Saddam Hussein und persönlich als beinharter Kriegsheld. Zweck des Manuals ist es, Prinzipien herauszuarbeiten mit deren Hilfe die USA und ihre Verbündeten instabile Regionen und Staaten beherrschen und so vorbereiten können, dass auch ohne US-Streitkräfte ein genehmes Staatsgebilde entsteht und sich halten kann. Von diesem grundsätzlich imperialistischem Anspruch einmal abgesehen, bricht der Text aber mit den Erwartungen jedes Lesers, seien es Politiker, Militärs oder Friedensbewegte. Die Überraschungen beginnen damit, dass die US-Militär-Führung, bzw. die Teile, die Petraeus und der mittlerweile abservierte General McChrystal repräsentieren, bei weitem durchdachter, weitsichtiger, geschmeidiger und gewaltärmer argumentiert als die Obama- oder gar die Bush-Administration, von deren komplettem Versagen sie im übrigen ausgeht. In klarem Englisch, mit vielen historischen Beispielen und einer an Paradoxien reichen Argumentation wird herausgearbeitet, warum die herkömmlichen militärischen Herangehensweisen in Situationen besetzter „gescheiterter Staaten“ nicht funktionieren und dringend neue her müssen. Der Begriff des „Sieges“ sei beispielsweise fragwürdig und variabel geworden. Das Scheitern wird immer für möglich gehalten, der Anpassung und Lernfähigkeit höchste Priorität eingeräumt. Mit Bezug auf Mao Zedong (!) wird den politischen Aktionen der Vorzug vor militärischen Operationen eingeräumt. Von den Kommandeuren verlangt das Manual, ihren Fokus von den bewaffneten Gegnern auf die Bevölkerung zu verlagern, oder um mit Mao zu sprechen, sich weniger mit den „Fischen“ zu beschäftigen als dem „Wasser“ in dem diese schwimmen. Zu diesem Zweck bedürfe es zeitweilig sehr vieler Soldaten, die in ständigem Kontakt mit der Zivilbevölkerung stehen sollten. Der Einsatz schwerer Waffen sei dabei sinnlos oder kontraproduktiv. Wirkliche Sicherheit entstehe eben gerade durch Verzicht auf die Sicherheit gepanzerter Fahrzeuge und Stützpunkte. Viele eigene Tote seien demzufolge in der Anfangszeit in Kauf zu nehmen. Der körperlichen Unversehrtheit der Bevölkerung wird Priorität eingeräumt, wohlgemerkt nicht aus humanistischen, sondern aus kaltschnäuzig militärischen Erwägungen. Gewalt gegen Zivilisten – die berüchtigten „Kollateralschäden“ – oder deren Entehrung werden als die eigentliche Quelle der Macht der Aufständischen beschrieben. Dieses Konzept ist nicht weniger als das exakte Gegenteil dessen, was die Army ihren Offizieren und Soldaten jahrzehntelang antrainiert hat. Ausführlich beschäftigt sich das Manual mit interkulturellen Fragen, Aspekten der Kommunikation mit Zivilisten, der Bündnispolitik mit einheimischen gesellschaftlichen Gruppen, dem Aufbau örtlicher Sicherheitskräfte, der Integration von zivilen Maßnahmen und dem Verhältnis von kurzfristigen und langfristigen Zielen. Das „Killen“ der Gegner wird selbstverständlich und offenherzig als Option aufrechterhalten, aber nur als eine unter vielen, die dem Gesamtzweck nicht entgegenstehen darf. Hier liegt auch der tiefere Grund für die aggressiven Reaktionen des US-Militärs auf das deutsche Kundus-Massaker oder auch auf das Vorgehen der israelischen Armee, deren Führung von Seiten McChrystals unmittelbar für den Tod amerikanischer Soldaten verantwortlich gemacht wurde.

Thomas Willms

The U.S. Army/Marine Corps Counterinsurgency Field Manual No., 472 Seiten,
ca. 10 $, erhältlich im Online-Buchhandel

Stolperstein – ein Film von Dörte Franke

Über 20.000 Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig vor den Wohnhäusern einst deportierter Nazi-Opfer verlegt. Ein Dokumentarfilm begleitet ihn im kontroversen Dialog um das Projekt, das mittlerweile eine Bürgerbewegung ausgelöst hat.
Der Dokumentarfilm „Stolperstein“ von Dörte Franke zeigt die Hintergründe des Projektes auf und bringt uns den Künstler Gunter Demnig näher. Er trägt dazu bei, den Umgang mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und dessen Auswirkung auf die nachfolgenden Generationen wach zu halten. Demnig glaubt aus eigerner Erfahrung im tabuisierten Umgang seiner Elterngenration mit dem Holocaust, dass wir den Opfern der Nazi-Tyrannei etwa schuldig sind. Denen, die unter dem Nazi-Regime in den Konzentrationslagern nur eine Nummer waren, will er an deren letzten Wohnort ihren Namen zurückgeben. Dazu wurden bereits in Deutschland, Österereich und Italien Tausende Stolpersteine verlegt. Anfragen aus zahlreichen anderen europäischen Ländern liegen vor. Das Bedürfnis, die Opfer des Faschismus gleichsam aller Opfergruppen angemessen und nachhaltig zu würdigen reicht von 3.000 realisierten Stolpersteinen in Hamburg bis hin zu kleinen Orten in der Provinz. Die im Film geäußerte Meinung, dass das Problem der neuen Nazis vor allem ein ostdeutsches sei , wiederlegt der Film eindrücklich. Zwar ist der Polizeischutz bei Stolpersteinverlegungen im Osten Deutschlands die Regel, aber mittlerweile gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mehr Stolpersteine als in Bayern. Auch die Versagung einer Genehmigung zur Stolpersteinverlegung in München und die fragwürdige Haltung öffentlicher Vertrtetern dazu thematisiert Dörte Franke und setzt ihnen die Meinung der Opferfamilien entgegen. Den Neofaschisten sind die Stolpersteine ein Dorn im Auge. In Halle wurden acht Steine entwendet. Ein findiger Hallenser versah die Stellen mit der Aufschrift: „An dieser Stelle lagen Stolpersteine von Gunter Demnig und werden bald wieder dort liegen“. Mit einem Benefiz-Konzert sammelten engagierte Musiker das Geld für die fehlenden Steine und sechzehn weitere. In Rotenburg an der Wümme treffen sich seit der Stolpersteinverlegung die Familien der Opfer regelmäßig. Solche Meldungen sind es, die Gunter Demnig zum Weitermachen ermutigen.

Axel Holz

Stolperstein. Ein Film von Dörte Franke. 2007. 76 Min. www.stolperstein.com. Lizensieung von Aufführungen über den Kontakt Film Kino Text Jürgen Lütz e.K. 0228 420767

Broschüre zum 65. Jahrestag der Befreiung

Die Osteuropa-Freundschaftsgesellschaft MV e.V. hat zusammen mit dem VVN-BdA eine Broschüre des Kommunalpolitischen Forums, erarbeitet vom Historiker Joachim Aust, anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus erneut herausgegeben.
Die Broschüre handelt von den Ereignissen zum Kriegsende in Mecklenburg-Vorpommern und hat insbesondere neuere Forschungsergebnisse zum Widerstand in der Wehrmacht und in christlichen Kreisen (Teilnehmer am Widerstand) erfasst. Diese Broschüre kann zum Preis von 5,50 € pro Stück in der Geschäftsstelle der OFG erworben werden. Der Versand kann auch zzgl. Porto auf Bestellung erfolgen.

Kontakt:
Osteuropa-Freundschaftsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V.
c/o Kerstin Voigt Landesvorsitzende Mecklenburgstr. 69
19053 Schwerin

Tel. (0385) 7 58 96 92 Fax (0385) 71 57 85
kontakt@osteuropa-freundschaftsgesellschaft.de
www.osteuropa-freundschaftsgesellschaft.de

Vereinsregister Schwerin Nr. VR 348




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