Basisorganisation Jugend der VVN-BdA Mecklenburg-Vorpommern http://boju.blogsport.de Antifaschismus ist mehr als eine Gegenbewegung! Tue, 13 Jan 2015 20:58:19 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Broschüre zur Kritik an der „Alternative für Deutschland“ aus Hamburg erschienen http://boju.blogsport.de/2015/01/13/broschuere-zur-kritik-an-der-alternative-fuer-deutschland-aus-hamburg-erschienen/ http://boju.blogsport.de/2015/01/13/broschuere-zur-kritik-an-der-alternative-fuer-deutschland-aus-hamburg-erschienen/#comments Tue, 13 Jan 2015 20:56:09 +0000 Administrator Antifaschismus in Bewegung http://boju.blogsport.de/2015/01/13/broschuere-zur-kritik-an-der-alternative-fuer-deutschland-aus-hamburg-erschienen/ Mit der Alternative für Deutschland (AfD) konstituiert sich seit Februar 2013 eine rechtspopulistische Partei in Deutschland, bei der „Nationalismus nicht der Anstrich […] sondern Kern“ der Politik ist, wie Felix Korsch es ausdrückte. Nach den nicht erfolgreichen Anläufen zur Bundestagswahl sowie zur Landtagswahl in Hessen wurde spätestens mit dem Einzug der Partei in die Landtage in Thüringen (10,6%), Sachsen (9,7%) und Brandenburg (12,2%) im Jahr 2014 deutlich, dass es sich bei der AfD leider nicht um eine jener rechten Splitterparteien handelt, deren politische Bedeutung unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde verbleibt.

Die Online Version der Broschüre gibt es HIER.

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Aufruf der FIR: Für eine neue internationale Friedenspolitik http://boju.blogsport.de/2014/08/01/aufruf-der-fir-fuer-eine-neue-internationale-friedenspolitik/ http://boju.blogsport.de/2014/08/01/aufruf-der-fir-fuer-eine-neue-internationale-friedenspolitik/#comments Fri, 01 Aug 2014 13:54:40 +0000 Administrator Mahnung und Erinnerung http://boju.blogsport.de/2014/08/01/aufruf-der-fir-fuer-eine-neue-internationale-friedenspolitik/ Aus Anlass des 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 und des 75. Jahrestages der Überfalls Hitlerdeutschlands auf Polen am 1.September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, ruft die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten, der Dachverband von Organisationen ehemaliger Widerstandskämpfer, Partisanen, Angehörigen der Anti-Hitler-Koalition, Verfolgten des Naziregimes und Antifaschisten heutiger Generationen aus fünfundzwanzig Ländern Europas und Israels Friedenskräfte, politische Gruppen und Regierungen zu gemeinsamen Anstrengungen für eine neue internationale Friedenspolitik auf.

Die Kriege 1914-18 und 1939-45 waren nicht das Resultat von „Schlafwandlern“ oder einer „Koalition totalitärer Regime“, sondern Ausdruck der Durchsetzung imperialistischer Interessen um Macht- und Einflussgebiete in Europa und der Welt. Nach der Befreiung vom Faschismus wurde in den Beschlüssen der Anti-Hitler-Koalition auf der Potsdamer Konferenz und mit der Gründung der Vereinten Nationen 1945 der Versuch unternommen, eine Neuordnung in den internationalen Beziehungen zu erreichen, den Krieg aus dem Leben der Völker zu verbannen. Wir erinnern daran, dass vor gut 40 Jahren durch das Handeln der Völker und Staaten im KSZE-Prozess die Hoffnung bestand, dass in Europa die Gefahr eines Krieges beseitigt sei.

Seit dem Krieg gegen Jugoslawien und mit dem Bürgerkrieg in der Ukraine erleben wir, dass auch in Europa die Kriegsgefahr noch real ist. Wenn auch anders begründet als 1914 bzw. 1939, geht es immer noch um die Durchsetzung hegemonialer Interessen, um Einflussgebiete und – zunehmend um den Zugriff auf Rohstoffe. Dabei beansprucht das Militärbündnis NATO für sich einen weltweiten Einsatzraum – vorgeblich zur „Verteidigung westlicher Werte“, wobei Verletzungen von Menschenrechten, selbst Massenmorde nach Rohstoffinteressen bewertet werden. Auch das Selbstbestimmungsrecht von Völkern wird dabei missachtet.

Als „Botschafter des Friedens“ der Vereinten Nationen rufen wir die UNO, die internationalen Organisationen und gesellschaftlichen Kräfte auf, Initiativen für eine neue internationale Friedenspolitik zu entwickeln. Dazu gehören die Anerkennung des Existenzrechtes aller Staaten sowie die Durchsetzung einer gerechten Weltwirtschaftsordnung. Auch die Staaten der Europäischen Union und das Europäische Parlament könnten ihren Beitrag dazu leisten, wenn sie einer Militarisierung der Außenpolitik eine Absage erteilten.

In diesem Sinne appellieren wir an Friedenskräfte, Parteien, Gewerkschaften und Kritiker der Globalisierung, sich in Aktionen, Abstimmungen und Erklärungen für eine neue internationale Friedenspolitik einzusetzen. Die FIR ruft ihre Mitgliedsverbände dazu auf, sich mit ihren historischen Erfahrungen an solchen Initiativen zu beteiligen.

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Geschichte: „Ein deutscher Mythos“ – 100 Jahre Erster Weltkrieg http://boju.blogsport.de/2014/08/01/geschichte-ein-deutscher-mythos-100-jahre-erster-weltkrieg/ http://boju.blogsport.de/2014/08/01/geschichte-ein-deutscher-mythos-100-jahre-erster-weltkrieg/#comments Fri, 01 Aug 2014 13:48:13 +0000 Administrator Mahnung und Erinnerung http://boju.blogsport.de/2014/08/01/geschichte-ein-deutscher-mythos-100-jahre-erster-weltkrieg/ Geschichte. Das »Augusterlebnis«, die Rede vom sich erhebenden Volk, das gemeinsam in den Krieg zieht, ist eine Legende. Nicht jubelnd, aber naiv marschierten viele Deutsche in den Ersten Weltkrieg.

Von Kurt Pätzold

Kommt die Rede auf den Beginn des Ersten Weltkrieges, fällt früher oder später das Wort vom »Augusterlebnis«. Und von da ist es dann nur ein kurzer Gedankensprung zum »Geist von 1914« oder den »Ideen von 1914«, von denen niemand so genau sagen kann, was sie eigentlich waren. Mit ihnen verbindet sich ein noch über Jahre nach dem Kriege gepflegtes Propagandabild. Es ist das vom sich gemeinsam und entschlossen erhebenden Volk, von der »Volksgemeinschaft«, die in den Krieg zieht, das Vaterland zu verteidigen. Das lebe in den Millionen fort, die »dabei waren«, wird kolportiert.

Die Verwandtschaft zu älteren Sprachbildern wie dem Theodor Körners von 1813 »Das Volk steht auf, der Sturm bricht los« liegt zutage. Ein Vergleich beider durch ein Jahrhundert getrennter Kriege ergibt Gemeinsames und Unterscheidendes. Die sich gegen Napoleon erhoben, und das war beileibe nicht das ganze deutsche Volk, erstrebten das Ende einer Jahre währenden Fremdherrschaft und Besatzung, die ihnen schwerste Lasten auferlegt hatte. Sie waren in manchen Gegenden bis aufs Hemd ausgeplündert worden und dem Verhungern nahe. Ihr Motiv rührte vielfach von eigener Erfahrung oder der ihnen Nahestehender her. Die 1914 auszogen, wurden hingegen mit einer Lüge motiviert, wonach Rußland, Frankreich und Großbritannien Deutschland angegriffen hätten, weil sie alle es um seinen Aufstieg beneideten und nicht »hochkommen« lassen wollten.

Zu den Unterschieden gehört weiter, daß die Zeitgenossen von 1813 wußten, was Krieg bedeutete, namentlich die Preußen aus ihrer Erfahrung von 1806/07, zum anderen aus Berichten vom Feldzug gegen Rußland 1812, an dem Kontingente deutscher Staaten teilgenommen hatten und aus dem weniger die Preußen, jedoch die nach Moskau gezogenen Bayern, Württemberger und Männer aus anderen deutschen Landen nicht zurückkehrten. 1914 hingegen lag der letzte Krieg, den Deutsche erlebt hatten, mehr als 40 Jahre zurück. Er war jenseits der deutschen Grenzen in Frankreich ausgetragen und gewonnen worden. Die Zahl der Kriegstoten wurde amtlich mit nahezu 44000 angegeben, sie enthält die Zahl der während der Kämpfe Umgekommenen und die jener, die Verwundungen und Krankheiten erlagen.

Vor allem aber: In den Krieg des Jahres 1813 gingen die Preußen an der Seite des zaristischen Rußlands, dessen Armee den Eroberer aus dem eigenen Lande schon vertrieben hatte, dazu mit Schweden und dann auch, was zu erwarten war, mit Österreich. Es formierte sich eine antinapoleonische Übermacht. 1914 hingegen machte sich Deutschland zum Verbündeten des altersschwachen Österreich-Ungarn. An Stelle der einen Front gegen den Franzosenkaiser entstanden binnen weniger Tage drei. Die kurze österreichische gegen Serbien, wo die Truppen des slawischen Königreiches gemeinsam mit denen Montenegros standen, die lange gegen das Zarenreich, die von der rumänischen Grenze durch das dreigeteilte Polen bis an die Ostsee reichte, und die immer länger werdende gegen die Französische Republik und das überfallene Belgien, die sich von der schweizerischen Grenze bis zur Nordsee dehnte und etwa 700 Kilometer maß. Ein Blick auf die Landkarte Europas und ein weiterer in die demographischen und wirtschaftlichen Daten der einander bekriegenden Blöcke, hier die zwei sogenannten Mittelmächte und dort das Dreierbündnis der Entente, hätte die Augusttage für die Deutschen zu einer sich hinziehenden Denkstunde machen können, ja müssen.

Erinnerung an Sedan
Statt dessen? Das wieder und wieder so erzählte »Augusterlebnis«: Das kaisertreue deutsche Volk überschreitet im Gleichschritt die Kriegsschwelle. Viele fühlen sich erhoben, ja befreit. Sie sind siegesgewiß und frohen Mutes und nicht wenige ergriffen von einem Gefühl der Dankbarkeit darüber, daß sie ein eintöniges, langweiliges, allzu sattes und keine höheren Ziele kennendes Dasein hinter sich lassen konnten. Mit dieser Schilderung deutscher Befindlichkeit, die schon inmitten der Ereignisse und nicht erst aus dem Rückblick gegeben wurde, sollte auch bezeugt sein: Ein Volk, das so hochgestimmt auf die Schlachtfelder zieht, kann das nur ohne Arg und reinen Herzens getan haben und nicht um irgendwelcher schnöder materieller Ziele willen. Hitler behauptete in seiner Propagandaschrift »Mein Kampf«, die Deutschen hätten den Krieg geradezu »begehrt« und kritisierte die kaiserliche Führung, weil sie ihn nicht früher selbst begann und so angeblich den Zeitpunkt mit den besten Siegesaussichten verpaßt habe.

Welche Zeugen und Zeugnisse wurden von jenen präsentiert, die das »Augusterlebnis« lange nach Kriegsende wieder und wieder so ausmalten und die Nation in einem Zustand beschrieben, den sie sich als wiederkehrenden und dann dauernden wünschten, den der Volks- oder Kriegsgemeinschaft? Dafür werden bis heute vor allem Fotografien vorgewiesen, auf denen drei Szenen dominieren. Auf den einen sind Ansammlungen von Menschen zu sehen, die auf Plätzen oder Straßen den Kriegsbeginn bejubeln. Aus der Menge werden als Zeichen der Begeisterung Arme zum Himmel gereckt, Stöcke hochgeschwungen, Mützen und Hüte in die Luft geworfen. Und es werden andächtig patriotische Lieder gesungen. Schon dem flüchtigen Betrachter mag auffallen, daß die dort Zusammengeströmten meist in ihren Sonntagskleidern erschienen sind, und das sind nicht die der arbeitenden Schichten, wie ein Vergleich mit jenen Bildern erweist, die während Kundgebungen der Sozialisten gemacht wurden, beispielsweise von Friedensdemonstrationen nur wenige Tage zuvor. Der 1. August 1914 war ein Samstag – und da wurde im Deutschen Reich gearbeitet.

Auf anderen Fotografien sind an Straßenrändern Menschen zu sehen, die die in lockeren Kolonnen an die Fronten abrückenden Soldaten verabschieden. Manche begleiten die Uniformierten auch auf dem Weg zu Sammelplätzen in Kasernen oder zu Bahnhöfen. Jungen sind abgebildet, die das Gewehr ihres Vaters tragen dürfen, und Frauen oder Bräute, eingehängt am Arm des Geliebten. Auf wieder anderen drängen sich Einberufene, noch in ihrer Zivilkleidung, an Türen und Fenstern von Eisenbahnwaggons, meist frohen Gesichts den Zurückbleibenden zuwinkend. Würden manche nicht an geöffneten Schiebetüren von Güterwagen stehen, ließe sich glauben, hier begebe sich ein Männerverein auf einen Ausflug. Dem widersprechen aber auch die Aufschriften an den Waggonwänden, die mehr oder – meist – weniger gewandt mit Kreide da hingemalt wurden. Da werden die französische Hauptstadt und ihre Boulevards als Reiseziel angegeben. Ein die bayerische Hauptstadt verlassender Zug trägt die Aufschrift »München über Metz nach Paris«, und das war noch eine der harmloseren. Andere Texte drückten die Überzeugung aus, Weihnachten wieder zu Hause zu sein.

Wie lassen sich diese Bilder, keine gestellten Aufnahmen für Propagandazwecke, sondern Schnappschüsse, und die sich auf ihnen ausdrückende Stimmung erklären? Wie, daß ein Kriegsbeginn zur Feier nach der Art eines Volksfestes wird? Eine Rolle mochte spielen, daß eben, wer sich des letzten Krieges erinnerte, an dem deutsche Truppen beteiligt waren, mehr als vier Jahrzehnte zurückdenken mußte. Die als junge Burschen an ihm teilgenommen hatten, standen an der Schwelle zum siebten Lebensjahrzehnt. Das bedeutete auch, daß bei der damaligen Lebenserwartung ein erheblicher Teil der Krieger nicht mehr am Leben war. Dieser deutsch-französische Krieg hatte 1870/71 kaum mehr als ein halbes Jahr gedauert. Dann war am 28. Januar 1871 ein Vorfriede geschlossen worden, die belagerte Hauptstadt Paris kapitulierte. Die Waffen schwiegen. Die Erinnerung daran lebte auch deshalb fort, weil Jahr für Jahr – ohne Teilnahme der Sozialdemokraten – am »Sedantag« des kriegsentscheidenden Sieges gedacht wurde, der in der Schlacht bei der nordfranzösischen Stadt nahe der belgischen Grenze errungen worden war, in der auch der Kaiser der Franzosen, der dritte Napoleon, in Gefangenschaft geriet.

Wichtiger als dieser zu falschen Schlußfolgerungen führende Blick zurück mochte für die Haltung der den Kriegsbeginn Feiernden sein, daß sie trotz bestehender Warnungen keine Ahnung von dem besaßen, was ihnen und vor allem den Soldaten in den nun auszutragenden Schlachten bevorstand. Außerdem waren auch die Kriege der letzten Jahre, von denen sie aus Zeitungen erfuhren, von kurzer Dauer gewesen und hatten zudem fern von ihren Wohnsitzen stattgefunden. Das galt für die Balkankriege 1912/1913, für den Krieg Italiens gegen das Osmanische Reich im Norden Afrikas um den Besitz Libyens 1911, für den russisch-japanischen von 1904/05, für die Burenkriege an der Jahrhundertwende und für den der USA gegen Spanien 1898. Und wiewohl dabei neu entwickelte und modernisierte Waffen eingesetzt worden waren, hatte dies nur ein Vorspiel dessen dargestellt, was nun folgte: der massenweise Einsatz neuartigen Kriegsgeräts. Zum Beispiel von Gewehren mit größerer Reichweite, rascherer Schußfolge, höherer Zielgenauigkeit, von Maschinengewehren und Flammenwerfern und weittragenden Artilleriegeschützen mit vervielfachter Sprengkraft, von Flugzeugen, Zeppelinen, Unterseebooten – und Giftgasen. Und obgleich Militärs darauf hingewiesen hatten, daß sich mit der Technisierung und Industrialisierung des Krieges künftige Kriegsverläufe einschneidend ändern würden, hielt sich der Glaube an eine einzige Schlacht, die den Ausgang entscheiden werde, noch immer, so wie die von Leipzig 1813, Waterloo 1815, Königgrätz 1866 und eben Sedan 1870.

So ist es ein Bündel von im einzelnen zu gewichtenden Tatsachen, das hilft, die Gesichter und Gesten zu enträtseln, die dem Betrachter auf Fotografien aus den ersten Augusttagen 1914 begegnen. Die Aufnahmen sind keine Fälschungen, doch wurden sie dazu gemacht, als sie zu Zeugnissen für die allgemeine Volksstimmung aufgewertet wurden. Dagegen stehen Quellen aus anderen Lebensbereichen, aus Dörfern und Städten ohne Massenaufgebote an kaisertreuem Bürgertum und ohne Horden verbildeter Studenten, die es gar nicht erwarten konnten, das Buch gegen das Gewehr, den Hörsaal gegen das Schlachtfeld zu tauschen.

Ernste, gedrückte Stimmung
Bietigheim ist eine württembergische Kleinstadt zwischen Stuttgart und Heilbronn. Der Ort, in dem sich Eisenbahnlinien kreuzen, besaß um 1914 nahezu 4000 Einwohner. In der Chronik der Stadt, rekonstruiert vor allem aus Meldungen des Lokalblattes, dem Enz- und Metterboten, läßt sich nichts von jener Stimmung auffinden, die aus Zentren deutscher Großstädte bezeugt ist. Der patriotische Aufruf, erlassen vom Stadtschultheiß am 1. August, forderte von den Bewohnern »um des Vaterlandes willen, alle, auch die schwersten Anforderungen, die das militärische Interesse erheischt, willig und freudig zu ertragen«. Zu ertragen – die Sprache ist ein Verräter. Der Autor schien, wenn nicht zu wissen, so doch zu ahnen, daß die Bürger nun Lasten zu schleppen haben würden. Der Gedanke beschlich nicht nur ihn. Als der Krieg ein Jahr dauerte, publizierte das evangelische Gemeindeblatt des Ortes einen Rückblick in die letzten Tage des Friedens und die ersten des Krieges. Von jenem Samstag, an dessen Abend der Mobilmachungsbefehl bekanntgemacht wurde, hieß es: »Eine ernste, gedrückte Stimmung lastete auf den meisten. (…) Nun war es ganz ernst geworden. Was sich an diesem Abend in den Häusern und Herzen abgespielt hat, ist nicht zu beschreiben. Das weiß Gott allein. (…) Zu patriotischen Kundgebungen kam es nicht. Es war ja noch so vieles zu erledigen zur Ordnung der eigenen militärischen und häuslichen Angelegenheiten. Man begegnete sich mit vielsagendem Schweigen, war doch fast jedes Haus vom Krieg betroffen und hatte einen Abschied.«

Zunächst erhielten die Bietigheimer zu den allgemeinen Verhaltensregeln konkrete Ermahnungen. Die erste besagte, daß an zur Armee einrückende Soldaten, die nüchtern an ihren Sammelpunkten eintreffen sollten, kein Alkohol auszuschenken sei. Am 3. August, es war der Tag der deutschen Kriegserklärung an Frankreich, verabschiedete sich in einer Anzeige im Lokalblatt ein Bäckermeister, der zur Armee mußte, von seiner Kundschaft. Er kam im Kriege 1915 um. Am 4. August wurde den Bürgern vom Stadtschulzenamt mitgeteilt, daß das »Stehenbleiben von Personen in Gruppen auf den öffentlichen Straßen und Nebenwegen« von nun an »bis auf weiteres untersagt« sei und Zuwiderhandlungen bestraft würden.

In den folgenden Tagen bereiteten sich Bürger, da mit der Durchfahrt von Zügen mit Verwundeten gerechnet wurde, auf deren Empfang und Betreuung während ihres Aufenthaltes vor. Dafür wurde um Geldspenden und »Flaschen mit guten Säften« gebeten. Die Gesamtleitung der Aktion lag in den Händen des Stadtpfarrers, der auch nach anderen Berichten ein Motor dieses tätigen Patriotismus gewesen sein muß. Am 10. August trafen die ersten Soldaten ein, die bei Kämpfen nahe Mülhausen im Elsaß verwundet worden waren. Am 12. August wurde die Zahl der Einberufenen, die auch »Ausmarschierte« hießen, mit 300 bis 400 angegeben und vermerkt, daß aus manchen Familien drei und mehr Söhne zur Armee eingerückt seien. 33 dieser Ausmarschierten hatten sich vorher im Sonntagsstaat, angetan mit Vatermörder und Fliege, auf ein Gruppenbild bannen lassen. Sie stehen und sitzen da eng beieinander wie Mitglieder eines Kegelvereins, zusammengekommen anläßlich von dessen besonderem Jubiläum. Aber auf keinem Gesicht läßt sich auch nur ein Anflug von Freude oder gar Begeisterung ausmachen.

Zwei Tage später passierten erste französische Kriegsgefangene den Bahnhof Bietigheim. Und dann dauerte es nur bis zum 19. Kriegstag, und es gingen die ersten Nachrichten ein, die besagten, daß Bürger der Stadt und nahegelegener Gemeinden »gefallen« seien. In den Anzeigen, die von deren Angehörigen in der Ortszeitung veröffentlicht wurden, wurden die Formeln »den Heldentod fürs Vaterland gestorben« oder »im Kampf für das Vaterland gefallen« gebraucht. Diese Meldungen setzten sich in den folgenden Tagen fort. Sie standen für den Preis der Siege, die bei Metz und Longwy, dort hatte zwischen dem 22. und 25. August eine der sogenannten Grenzschlachten stattgefunden, errungen und durch Glockengeläut und gehißte Fahnen bekanntgemacht wurden. Weiter passierten Züge mit Verwundeten die Stadt. Wer sofort ärztlich behandelt werden mußte, wurde ausgeladen und in ein Krankenhaus gebracht, die Masse der Insassen verpflegt. Das hielt ein Fotograf fest. So, und so nüchtern, stellte sich das »Augusterlebnis« für die Bietigheimer dar. Nicht nur für sie. Ernst Glaeser hat in seinem auf eigenem Erleben gründenden Roman »Jahrgang 1902« geschildert, wie ein junger Bursche zufällig dazu kam, beim Ausladen eines Verwundeten zu helfen. Als sie im Krankenhaus des Ortes anlangten, brachten sie einen Toten.

Abendmahl vor Kriegsbeginn
Noch weniger verläßliche Zeugnisse existieren von der Aufnahme der Nachricht vom Kriegsbeginn und der Mobilisierung aus Dörfern des Landes. Dorthin verirrten sich weder Zeitungsreporter noch Fotografen. Die Männer, die Haus, Stall und Feld verließen, noch war die Sommer­ernte nicht beendet und die des Herbstes stand erst bevor, waren tags darauf nicht zu ersetzen, selbst wenn sich die zurückbleibenden Frauen deren Schwerstarbeit aufbürdeten. Es war nur eine Frage kurzer Zeit bis das Absinken der heimischen Produktion in Verbindung mit der bei Kriegsbeginn augenblicklich einsetzenden Seeblockade durch britische Kriegsschiffe sich auf den Tellern der Städter empfindlich bemerkbar machen würde.

Aus einem Dorf nahe Berlin, aus Lütte, sind Ereignisse und Stimmungen jener ersten Augusttage durch Aufzeichnungen von Erlebtem und Gehörtem im Tagebuch eines 15jähigen Mädchens, der Tochter des Ortspfarrers, überliefert. »Abends um halb 9 Uhr – da läuteten die Glocken. Es bedeutete den Krieg… sie mußten den Krieg verkünden! Alle Leute standen vor ihren Häusern und weinten. Am Sonntag war für diejenigen, die in den Krieg ziehen mußten, Abendmahl angesetzt. Es waren auch 50 Männer da (außer drei dann von der Autorin namentlich genannten, K.P.). Da Vater auch eine sehr wegweisende Predigt hielt, weinten alle. Wir hatten nicht wie sonst sonntags weiße Kleider an, sondern dunkle Röcke und nur helle Schuhe.« Ein anderes Geschehen ist dem Mädchen entgangen, wurde aber von einem Lehrer der Dorfschule rückblickend in die Schulchronik eingetragen. Demnach hatte der Ausrufer des Dorfes mit der Bekanntgabe des Kriegsbeginns die Männer in die Gaststätte des Ortes beordert. Davon wird mitgeteilt: »Der Herr Pastor leitete die Versammlung mit einem Kaiserhoch ein. Ich verlas die Mobilmachungsurkunden. Unsere Reservisten, Wehrmänner und Landstürmer waren sehr gefaßt, wie es die Starken sind, die des Sieges gewiß sind oder doch entschlossen, in Ehren zu sterben für Weib und Kind, für König und Vaterland.« Die drei Sätze überliefern jedenfalls die Geistes- und Gemütsverfassung des Lehrers bei Kriegsbeginn.

Zurichtung allerorten
Zurück in die Großstädte: Die Fotografierten, aufgenommen an Straßenrändern, waren keine bestellten oder gemieteten Jubelperser. Indessen brach aus ihnen in jenen Tagen auch nicht spontan die patriotische deutsche Seele hervor, wie das in der Geschichtsliteratur bis heute behauptet wird. Sie waren allesamt Produkte einer Erziehung durch Pfarrer und Lehrer, wie der beiden im Dorf Lütte. Andere waren geprägt durch jene Professoren, welche eben die Studenten bürgerlicher und adliger Herkunft mitgeformt hatten, die in Berlin vor dem Hauptgebäude der Friedrich-Wilhelms-Universität den Krieg jubelnd begrüßten. Dieser »Geist von 1914« war von Millionen erworben in Kasernen und Kriegervereinen, bei Veranstaltungen der Militär und Militarismus anbetenden Organisationen wie dem Alldeutschen Verband, dem Deutschen Flottenverein und vielen monarchistischen Zusammenschlüssen. Was sie dort an krausen Ideen aufgenommen hatten, was ihnen an verkorksten vaterländischen Gefühlen eingepflanzt worden war, das blühte nun auf in den Willkommensfeiern des Kriegsbeginns, denen sich ein erheblicher Teil der deutschen wissenschaftlichen und künstlerischen Intelligenz hingab, schreibend, redend, dichtend, musizierend, malend und – dies nicht zu vergessen – predigend und betend in Kirchen beider christlichen Religionen und nicht anders in Synagogen. Die Verklärung des Krieges gipfelte in Behauptungen wie der von seiner »reinigenden Wirkung auf das Volksganze«. Ohne den Beitrag der geistigen Führungsschicht des Deutschen Kaiserreiches – nicht anders im Kernland der österreichisch-ungarischen Monarchie – wäre es zu diesen Verirrungen von Geist und Gemüt schwerlich in dieser Zahl gekommen. Und von den Tagen des Kriegsbeginns an wurde an ihrer Konservierung weiter gearbeitet. Kaum jemand entkam dieser Zurichtung. Auch nicht die Kinder. Davon zeugen 1914 erschienene Buchtitel wie »Was der Krieg unsere Schulkinder lehrt«, herausgegeben übrigens von einem evangelischen Verlag in Heidelberg, »Was sollen unsere Knaben und Mädchen durch den Krieg lernen – ein Mahnwort an unsere Jugend«, »Das eiserne Jahr 1914 – Ein Büchlein für Kinder« oder »Deutschland, Deutschland über alles: ein Weihnachtsbüchlein für die deutsche Jugend im Jahre des großen Krieges«.

Die Bilder von den ersten Tagen und Wochen des Krieges sind gerade in den Großstädten unvollständig, wenn nicht von den augenblicklichen sozialen Folgen des Kriegsbeginns auf erhebliche Teile der arbeitenden Klassen die Rede ist. Trotz der Masse der Eingezogenen breitete sich in Hamburg, wo Tausende vom funktionierenden, nun aber blockierten Hafenbetrieb abhängig waren, Arbeitslosigkeit aus. Zudem waren Produktionsbetriebe lahmgelegt, die importierte Rohstoffe oder Halbfertigfabrikate verarbeiteten oder ihrerseits für den Export herstellten und deren Waren über See ausgeführt wurden. Für dort Beschäftigte gehörte zum »Augusterlebnis« der Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Entnommen der Jungen Welt vom 01. August 2014.

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8. Mai 1945 – Tag der Befreiung! http://boju.blogsport.de/2014/05/07/8-mai-1945-tag-der-befreiung/ http://boju.blogsport.de/2014/05/07/8-mai-1945-tag-der-befreiung/#comments Wed, 07 May 2014 13:31:52 +0000 Administrator 8. Mai: Befreiung! - Was sonst?! http://boju.blogsport.de/2014/05/07/8-mai-1945-tag-der-befreiung/ Genau 40 Jahre hat es gedauert, bis ein Bundespräsident an einem 8. Mai von Befreiung gesprochen und damit einen Perspektivenwechsel eingeleitet hat. Bis dahin hatte die Sicht der Nazis, der Deutsch-Nationalen, der „Frontkämpfer“, der Profiteure und Mitläufer das offizielle Vokabular geprägt: Zusammenbruch, Kapitulation, Besatzer. Mit Weizsäckers Rede wurde die Perspektive der Verfolgten des Nazi-Regimes „gesellschaftsfähig“, der 8. Mai wurde im bundesdeutschen Geschichtsdiskurs zum Tag der Befreiung. Und wo es Befreiung gibt, gibt es auch Befreier. Nach der „Wehrmachtsausstellung“ war dann auch klar, dass jeder Tag, an dem die Ostfront hielt,den Betrieb der Krematorien in Auschwitz verlängerte.

Inzwischen hatte allerdings der Planungsstab der Bundeswehr in den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ die „Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt“ zum Auftrag der Bundeswehr erklärt. Seit 1998 ist Deutschland wieder ein Krieg führendes Land und ein kriegsbereiter Bundespräsident denunziert „jene (), die Deutschlands historische Schuld benutzen, um dahinter Weltabgewandtheit oder Bequemlichkeit () verstecken.“

Der Versuch, mithilfe der Totalitarismustheorie im Wesen Unvergleichliches gleichzusetzen, wie es Anfang der 1990er Jahre bspw. in den Gedenkstätten Sachsenhausen, Ravensbrück und Buchenwald versucht wurde, war damals noch auf scharfen Protest im Europa-Parlament gestoßen. Mit der EU-Osterweiterung kommen von dort die heftigsten Vorstöße für ein „neues europäisches Geschichtsverständnis“, gipfelnd im Beschluss, den 23. August zum europäischen Gedenktag an die „Opfer von Faschismus und Stalinismus“ zu machen.

ln Kiew, wo die EU-Osterweiterung ­an Oligarchen und Parlament scheiterte, zeigt sich Außenminister Steinmeier Seit’ an Seit’ mit dem Anführer der Partei Swoboda, die sich auf den ukrainischen Nazi-Kollaborateur und Massenmörder Stepan Bandera beruft. Kurz darauf erkennt die Bundesregierung eine Regierung an, in der neben Swoboda auch der militant-faschistische „Rechte Sektor“ eine Rolle spielt. Im folgenden Konflikt zwischen der „neuen“ Ukraine und Russland ist das Feindbild klar: der Russe ist ‘s.

Und schon ergreift das „größte Drecksblatt der westlichen Welt“ (H. Gremlitza) zusammen mit der Berliner Schwester aus dem Hause Springer die Initiative für eine Petition: „Die russischen Panzer am Berliner Tiergarten sollen entfernt werden.“ Noch dümpelt die Kampagne dahin, aber das kann sich ändern. Der 8. Mai 1945 ist bereits zum „Tag der Befreiung der Konzentrationslager und des Kriegsendes“ geschrumpft. Wenn die letzten überlebenden Häftlinge gestorben sind, bleibt vermutlich nur das „Kriegsende“. Keine Befreiung – keine Befreier.

Lassen wir es nicht so weit kommen! Nutzen wir den 8. Mai zur öffentlichen Erinnerung an die Befreiung, an die Kämpfe und die Kämpfer_innen, denen wir sie verdanken. Und erinnern wir an das Vermächtnis der befreiten Häftlinge von Buchenwald.

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Staatliche Verbotsargumente gegen die NPD http://boju.blogsport.de/2014/02/21/staatliche-verbotsargumente-gegen-die-npd/ http://boju.blogsport.de/2014/02/21/staatliche-verbotsargumente-gegen-die-npd/#comments Fri, 21 Feb 2014 13:11:17 +0000 Administrator NPD-Verbot jetzt! http://boju.blogsport.de/2014/02/21/staatliche-verbotsargumente-gegen-die-npd/ Zwei Monate nach der Antragstellung auf ein NPD-Verbot hat der Bundesrat den 268 Seiten langen Antrag auf seine Homepage gestellt. Die Prozessbevollmächtigten Prof. Christoph Möllers und Prof. Christian Waldoff begründen darin ihren Antrag auf Erklärung der Verfassungswidrigkeit und des Verbotes der NPD, einschließlich ihrer Teilorganisationen Junge Nationale (JN), Ring Nationaler Frauen (RNF) und der Kommunalpolitischen Organisation der NPD. Der Antrag umfasst auch den Vermögenseinzug der Organisationen und das Verbot der Gründung von Ersatzorganisationen. Auf vier Punkte stützt sich der Verbotsantrag hauptsächlich, der auf ausschließlich öffentlich zugänglichen Quellen beruht: auf menschenverachtenden Rassismus, die Ablehnung des parlamentarischen Regierungssystems sowie die Leugnung der NS-Verbrechen und eine Wesensverwandtschaft mit dem NS-Regime.

Eine Argumentationshilfe des NPD-Parteivorstandes belege bei der Definition von Deutschsein als Herkunftsprivileg eine evidente Nähe der NPD zum Programm der NSDAP vom 24.02.1920. Insbesondere die NS-Nähe der NPD weist die VVN-BdA in ihrer Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ seit Jahrzehnten detailliert nach. Der Verbotsantrag arbeitet weiter einen offenen Antisemitismus sowie die direkte oder indirekte Holocaustleugnung nach. Der jetzige NPD-Chef Udo Pastörs hatte 2012 im Schweriner Landtag indirekt den Holocaust geleugnet, indem er von „Auschwitz-Projektionen“ sprach, und wurde deshalb zu einer achtmonatigen Bewährungs- und einer Geldstrafe über 6.000 Euro verurteilt. Der Landtag in Mecklenburg-Vorpommern stimmte Ende Januar 2014 einem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Vollstreckung zu. Vom Holocaust als einer jüdischen Erfindung und deren vermeintlicher Schuld an beiden Weltkriegen sprach der NPD-Gemeindevertreter Dirk Bahlmann aus dem vorpommerschen Löcknitz gegenüber einer norwegischen Zeitung. Zur Ideologie der NPD gehöre dem Verbotsantrag zu Folge der Ausschluss bestimmter Personengruppen von der Grundrechtsberechtigung, der sich etwa in einer Rückehrforderung für in Deutschland lebende Ausländer zeige. Die Kennzeichnung von Integration als „Völkermord“ und die Forderung nach getrenntem Unterricht von sogenannten Deutschen und Nichtdeutschen untermauert diese Einstellung. Die offene Ablehnung der Parlamentarischen Demokratie stütz sich u.a. auf die Forderung des Ex-NPD-Vorsitzenden Holger Apfel nach Schaffung eines „nationalen Volksstates“, den er der „etablierten `Demokratie-Karikatur` namens BRD“ entgegenstelle. Die NPD-Ideologie wurde in der Landtagsarbeit, den kommunalpolitischen Aktivitäten, den NPD-Aktivitäten auf der Straße sowie in den Verbindungen zur Kameradschaftsszene und im rechtswidrigen Handeln von NPD-Vertretern offengelegt. Typisch für die NPD sei, dass sie zu neun von zehn seit 1990 verbotenen Nazi-Organisationen Berührungspunkte habe. Auffällig sei die geringe Rechtstreue der Partei und ihres Führungspersonals, die sich in überdurchschnittlich häufigen gerichtlichen Verurteilungen jenseits von Propagandadelikten zeige. Erst kürzlich wurde die Zahl der erfassten rechtsextremen Straftaten für 2013 mit 11.763 bekannt gegeben, darunter 574 Gewalttaten. Eine mögliche nachträgliche Prüfung des NPD-Verbotes durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen der angeblich schwachen politischen Bedeutung der NPD könnte sich auf die schwachen Wahlergebnisse von 1,3 Prozent bei der Bundestagswahl 2013 oder 0,8 Prozent bei der letzten Landtagswahl in Bayern stützen. Dem hält der Verbotsantrag die NPD-Mitgliederzahl von 6.000 und die enge Vernetzung mit den Kameradschaften der Nazi-Szene entgegen. Immerhin verfügt diese Szene bundesweit als Eigentümer, Pächter oder sonstiger Nutzer in enger Abstimmung mit NPD-Funktionären über 200 Immobilien, um ungestört auf Veranstaltungen und Schulungen ihr rassistisches Weltbild aktiv zu verbreiten. Der Verbotsantrag des Bundesrates scheint nicht nur fundiert, sondern auch für eine nachträgliche rechtliche Prüfung gewappnet zu sein.

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Verbotsverfahren konsequent durchführen! http://boju.blogsport.de/2013/12/04/verbotsverfahren-konsequent-durchfuehren/ http://boju.blogsport.de/2013/12/04/verbotsverfahren-konsequent-durchfuehren/#comments Wed, 04 Dec 2013 15:38:58 +0000 Administrator Über unseren Verband Presseerklärungen NPD-Verbot jetzt! http://boju.blogsport.de/2013/12/04/verbotsverfahren-konsequent-durchfuehren/ Die VVN-BdA begrüßt entschieden die Einleitung eines neuen NPD-Verbotsantrages durch den Bundesrat. Bedauerlich ist, dass Bundesregierung und Bundestag beiseite stehen und keinen Beitrag zum Verbot der ältesten neofaschistischen Partei Deutschlands zu leisten bereit sind.

Es ist erschütternd, dass es anscheinend erst des NSU-Skandals bedurfte, um so weit zu kommen. Der allgemeine Vertrauensverlust in die sogenannten „Verfassungsschutz“-ämter und die offenkundige Verquickung von führenden NPD-Kadern in ein langjähriges Mordkomplott waren so schwerwiegend, dass das V-Mann-System nunmehr für beendet erklärt werden musste. Das offizielle Ende der faktischen Verquickung von Neonazi-Partei und Staat ist bereits ein Erfolg für sich.

Bestätigt fühlen können sich alle, die seit fast 50 Jahren dafür gekämpft haben, die legale Existenz einer neofaschistischen Partei mit allen daraus resultierenden finanziellen und juristischen Vorteilen für die NPD zu beenden. Die VVN-BdA hat sich dafür von Anfang an und insbesondere seit 2007 mit ihrer Kampagne „nonpd – NPD-Verbot jetzt!“ besonders engagiert.

Bis zum Verbot und der tatsächlichen Auflösung der NPD wird die VVN-BdA das Verbotsverfahren kritisch begleiten.

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„Wir wollen unsere Grundrechte!“ – Gespräch mit einer Bewohnerin des Kreuzberger Protestcamps von Flüchtlingen http://boju.blogsport.de/2013/10/13/wir-wollen-unsere-grundrechte-gespraech-mit-einer-bewohnerin-des-kreuzberger-protestcamps-von-fluechtlingen/ http://boju.blogsport.de/2013/10/13/wir-wollen-unsere-grundrechte-gespraech-mit-einer-bewohnerin-des-kreuzberger-protestcamps-von-fluechtlingen/#comments Sun, 13 Oct 2013 16:02:56 +0000 Administrator Fremdenfeindlichkeit stoppen! http://boju.blogsport.de/2013/10/13/wir-wollen-unsere-grundrechte-gespraech-mit-einer-bewohnerin-des-kreuzberger-protestcamps-von-fluechtlingen/ Seit Anfang Oktober 2012 besteht das Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz in Kreuzberg, mitten im Herzen Berlins. antifa-Redakteur Martin Schirdewan traf dort die Asylsuchende Karima Smith-Longley (Name von der Redaktion geändert) aus dem Sudan zum Gespräch. Über sich selbst berichtet sie: Ich stamme aus dem Sudan. Im Sudan herrschte 21 Jahre lang Bürgerkrieg. Bis 2005. Auch heute gibt es immer wieder Gewalt. Schon meine Eltern waren Flüchtlinge in Uganda. … Wie viele Tote, wie viele Flüchtlinge sind Opfer dieser Kriege geworden? Die Situation im Sudan ist schrecklich. Ich arbeitete dort als Friedensaktivistin und habe mich für gewaltfreie Konfliktlösungen eingesetzt. Deshalb wurde ich verhaftet und vier Tage lang gefoltert. Freunde halfen mir, zu entkommen und das Land zu verlassen.
Das ganze Interview gibt es hier.

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Keine Militärintervention in Syrien! http://boju.blogsport.de/2013/09/23/keine-militaerintervention-in-syrien/ http://boju.blogsport.de/2013/09/23/keine-militaerintervention-in-syrien/#comments Mon, 23 Sep 2013 16:14:10 +0000 Administrator Presseerklärungen http://boju.blogsport.de/2013/09/23/keine-militaerintervention-in-syrien/ Erklärung des Bundesausschusses der VVN-BdA

Friedensbewegung fordert eindeutige Distanzierung der deutschen Bundesregierung

Mit der Kooperation für den Frieden und andern Gruppen der Friedensbewegung lehnt auch die VVN-BdA eine Militärintervention in Syrien ab. Die Kriegsvorbereitungen müssen sofort gestoppt werden’

Die angestrebte Lösung zur Beseitigung der Chemiewaffen in Syrien verdient volle Unterstützung. Dieser Prozess darf nicht durch die Aufrechterhaltung der militärischen Interventionsdrohung gestört werden.

Wir fordern daher Bundeskanzlerin Merkel auf, die Unterschrift unter die Petersburger Erklärung zurück zu nehmen und jede Beteiligung an einer militärischen Intervention in Syrien öffentlich auszuschließen; keine weiteren Waffen in das Konfliktgebiet Naher und Mittlerer Osten zu exportieren und sich für einen Waffenstillstand einzusetzen. Es kann nur eine politische Lösung geben!

Sollte es dennoch zur militärischen Intervention kommen, rufen wir alle Menschen auf, sich an den Aktionen der Friedensbewegung um 17 bzw. 18 Uhr am Tage des Kriegsbeginns und am nachfolgenden Samstag zu beteiligen.

Die Bilder der Giftgasopfer in Syrien haben weltweit Entsetzen ausgelöst. Es muss geklärt werden, wer für diese Verbrechen verantwortlich Ist. Das Völkerrecht sieht vor, dass die Verantwortlichen durch den Internationalen Strafgerichtshof verurteilt und bestraft werden. Eine kriegerische Strafaktion, wie sie von den USA geplant ist und aktuell auch mit der Petersburger Erklärung von EU-Außenministern und der deutschen Bundesregierung getragen wird, wäre ein Bruch des internationalen Rechts. Ein militärischer Angriff bedeutet zudem eine weitere Eskalationsstufe in diesem Krieg. Die Folgen sind nicht kalkulierbar. Ein gewaltsamer „regime-change“, noch dazu von außen, wird möglicherweise zum Staatszerfall führen und keine nachhaltige friedliche Entwicklung Syriens ermöglichen. Wir lehnen Gewalt als Mittel der Politik ab. Eine als humanitär begründete militärische Maßnahme nach der UN-Konzeption ,,responsibility to protect’ ist abzulehnen. Sie kann weder verletzte Menschenrechte wiederherstellen noch die Lage der Zivilbevölkerung in Syrien verbessern. Im Gegenteil, eine Militärintervention führt zu noch mehr Toten, Verletzten und Flüchtlingen. Mit der Petersburger Erklärung unterstützt die Bundesregierung ein Vorgehen, das eine Militärintervention in Syrien im Bündnis mit der Kriegspolitik der USA nicht ausschließt.

- Wir appellieren mit Nachdruck an Bundesregierung und Parlament. einer Militärintervention in Syrien eine Absage zu erteilen.

- Wir fordern die Bundesregierung auf, den Luftraum für Militärflugzeuge mit dem Ziel Syrien zu sperren (wie schon von der österreichischen Regierung angekündigt).

- Wir fordern die Bundesregierung auf, die in der Türkei bereits stationierten Patriot-Raketen abzuziehen.

- Wir fordern die Bundesregierung auf, sich auf diplomatischem Weg für Verhandlungen mit allen Konfliktparteien einzusetzen und auf die lang geplante Genfer Friedenskonferenz zu drängen.

- Wir fordern die Bundesregierung auf, die Arbeit der internationalen Hilfsorganisationen im Kriegsland Syrien stärker zu unterstützen und einen weit größeren Teil der 4 bis 6 Millionen Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen.

Es kann nur eine politische Lösung geben!

Damit diese gelingen kann, müssen alle am Konflikt beteiligten Parteien ohne Vorbedingungen an den Verhandlungstisch kommen. Wir appellieren zudem an die friedensbewegten Menschen in Deutschland, die mehrheitlich ein militärisches Eingreifen ablehnen, sich an den Aktivitäten gegen eine militärische Intervention in Syrien zu beteiligen und die vielfältigen Erklärungen aus der Friedensbewegung zu verbreiten.

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Kein Kiez für Nazis! – Keine Stimme der Rassist_innen! – ’sozial gerecht‘ schreibt sich ohne n, p, d! http://boju.blogsport.de/2013/07/05/kein-kiez-fuer-nazis-keine-stimme-der-rassist_innen-sozial-gerecht-schreibt-sich-ohne-n-p-d/ http://boju.blogsport.de/2013/07/05/kein-kiez-fuer-nazis-keine-stimme-der-rassist_innen-sozial-gerecht-schreibt-sich-ohne-n-p-d/#comments Fri, 05 Jul 2013 21:56:40 +0000 Administrator Über unseren Verband NPD-Verbot jetzt! Antifaschismus in Bewegung http://boju.blogsport.de/2013/07/05/kein-kiez-fuer-nazis-keine-stimme-der-rassist_innen-sozial-gerecht-schreibt-sich-ohne-n-p-d/ Gemeinsamer Aufruf zu den Bundestagswahlen 2013 in Mecklenburg-Vorpommern

Am 22. September diesen Jahres wird ein neuer Bundestag gewählt. Neben vielen demokratischen Parteien will auch die rechtsradikale NPD in das Berliner Parlament einziehen.

Mit einem massiven Materialaufgebot versucht die NPD derzeit die Aufmerksamkeit der Bürger_innen in der Bundesrepublik zu bekommen. Während sich diese Partei in der Öffentlichkeit als eine Kümmerer-Partei, die sich auch um die kleinsten Belange der einfachen Menschen kümmert, in Szene setzen will, hetzen ihre Spitzenpolitiker_innen regelmäßig gegen Migrant_Innen, alternative Jugendliche, Homosexuelle und andere Minderheiten in diesem Land.

Die NPD ist eine rassistische und antidemokratische Partei, die in der Tradition des historischen Nationalsozialismus steht. Sie leugnet den Grundsatz der Gleichheit aller Menschen. In den Landtagen von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Kommunalparlamenten beweist die NPD schon jetzt, dass sie nicht an den Problemen der Menschen interessiert ist, sondern lediglich eine Plattform sucht, um ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten.

Das Konstrukt der „Volksgemeinschaft“, welches die Nazis propagieren, bedeutet immer Ausgrenzung von Menschen. Der NPD und ihren Sympathisant_innen setzen wir ein solidarisches Miteinander entgegen. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, einem Bundesland in dem die NPD relativ großen Einfluss gerade auch bei Jugendlichen hat, ist es besonders wichtig, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit die Stirn zu bieten.

Wir streiten für ein Mecklenburg-Vorpommern in dem alle Menschen unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion und Sexualität friedlich und solidarisch zusammenleben.

Wir fordern:
Kein Kiez für Nazis! Keine Stimme den Rassist_innen! „Sozial gerecht“ schreibt sich ohne n, p, d!

Infoportal für antifaschistische Kultur und Politik aus Mecklenburg-Vorpommern
ino.blogsport.de

Initiative Rock gegen Rechts Stralsund
www.rockgegenrechts.com

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist_Innen MV, Basisorganisation Jugend
boju.blogsport.de

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Buchrezension: Rechte Euro-Rebellion http://boju.blogsport.de/2013/06/18/buchrezension-rechte-euro-rebellion/ http://boju.blogsport.de/2013/06/18/buchrezension-rechte-euro-rebellion/#comments Tue, 18 Jun 2013 11:01:42 +0000 Administrator Literatur und Film http://boju.blogsport.de/2013/06/18/buchrezension-rechte-euro-rebellion/ Die Alternative für Deutschland ist im April 2013 als Anti-Euro-Partei gegründet worden, die sich konservativer und marktliberaler positioniert als CDU und FDP . Inhaltlich steht sie dem Netzwerk um den Verein Zivile Koalition e.V. des Ehepaares Beatrix und Sven von Storch nahe. In diesem Band werden Geschichte und Hintergründe der Alternative für Deutschland und der Zivilen Koalition e.V. beleuchtet. Aus dem Scheitern der rechtspopulistischen DM-Partei Bund Freier Bürger und der unternehmernahen Lobbyorganisation Bürgerkonvent e.V. sind rechtskonservativ-libertäre Fortsetzungsprojekte mit neuen Strategien entstanden. Das Besetzen von linken Begriffen wie Direkte Demokratie und Alternative Bewegung ist dabei nicht nur als rechte Diskurspiraterie zu interpretieren, sondern als neue politisch-praktische Strategie. There is no Alternative gilt für die deutsche Tea-Party-Bewegung nicht.

Andreas Kemper
Rechte Euro-Rebellion
Alternative für Deutschland und Zivile Koalition e.V.
farbig, TB, 110×180 mm
Reihe Antifaschistische Politik [RAP], Band 9
farbig, TB, 110×180 mm
ca. 96 Seiten, ca. 9.80 Euro
ISBN 978-3-942885-49-2 | WG 973
Neuerscheinung ca. Juli 2013

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